Schampus-Manni ist unschuldig. Der Insider-Skandal an der Frankfurter Börse war gar keiner. Die zuständige Prüfungskommission konnte keine Verstöße gegen Vorschriften entdecken. Überraschend ist dies nicht. Schließlich wurden Insider in Deutschland so gut wie immer freigesprochen – selbst wenn die Indizien fast erdrückend waren. Schon häufig zeigten allein die Kurs- und Umsatzentwicklung bestimmter Aktien, daß Eingeweihte ihr Wissen an der Börse ausgenutzt hatten. So war es bei Rheinmetall, Feldmühle-Nobel, Burda/Springer oder bei den Klöckner-Genußscheinen. Doch immer urteilten die Prüfer: keine Verstöße, alles ist rechtens.

Die jüngste Affäre war durch einen anonymen Brief ins Rollen gekommen. Dem Chef des Optionsschein-Handels der Deutschen Bank, Manfred Mertens, war vorgeworfen worden, er habe via Fernsehen Kurse manipuliert. Mertens, genannt Schampus-Manni, soll in der Sendung Tele-Börse auf Sat 1 Papiere empfohlen haben, die er zuvor selbst gekauft hatte, um sie nach dem Kursanstieg wieder abzustoßen. Und seine Vorgesetzten, so der Brief, hätten kräftig mitverdient.

An den meisten Weltbörsen wäre ein solcher Verdacht ein Fall für den Staatsanwalt gewesen. Aber in Deutschland ist ein entsprechendes Gesetz noch in Vorbereitung. Die Insiderkommissionen dienen nur der freiwilligen Selbstkontrolle. Ihre langwierigen Prüfungsmethoden sind entsprechend harmlos – ihre Ergebnisse ebenfalls.

Dennoch könnte im Frankfurter Börsenmilieu bald eine Bombe platzen – nicht wegen der Insidergeschäfte, sondern wegen Steuerhinterziehung. Ermittelt wird bereits gegen 150 Personen. Angst geht um auf dem Parkett und in manchen Bankhäusern. "Jeder Bänker hat Dreck unterm Teppich – es kommt nur darauf an, ob einer nachsieht", scherzte man noch vor kurzem in Frankfurt. Heute kann niemand mehr darüber lachen – trotz des jüngsten Freispruchs. per