Trotz optimaler Voraussetzungen kommen alternative Energien nur langsam zum Zug

Von Carl D. Goerdeler

Singender Fels im tosenden Wasser – Itaipu", so nannten die Guarani-Indianer die Stelle. Niemals hätten sie gedacht, daß eines Tages bei diesen mörderischen Stromschnellen ein künstlicher Fels errichtet werden würde; ein steinernes Monster, das den Rio Parana zähmen und zügeln würde. Doch vor wenigen Monaten wurde Itaipu, das größte Wasserkraftwerk der Welt, vollendet.

Der Rio Parana gilt als neuntgrößter Strom der Erde. Würde man Deutschlands Flüsse aufstauen, den Rhein, die Donau, die Weser, Elbe und Oder, dann hätte man ungefähr die Wassermassen beisammen, die nun ununterbrochen über die achtzehn Turbinen von Itaipu donnern. Der Staudamm stellt mit sieben Kilometer Länge und einer maximalen Höhe von 196 Metern den Kölner Dom leicht in den Schatten. "Das achte Weltwunder", sagen stolz die brasilianischen Techniker.

"Obra faraónica – Turmbau von Babel", schalten dagegen schon nach Baubeginn die Kritiker das Kraftwerksmonster. Seither ist es merklich still um die Nörgler geworden. Der flüsternde Riese läuft störungsfrei und produziert schweigend ein Drittel der gesamten Elektroenergie Brasiliens. Die Umweltprobleme von Itaipu halten sich in Grenzen. Selbst der skeptische José Lutzenberger, Brasiliens oberster Ökologe, hat das gewürdigt. Kaum ein anderes Wasserkraftwerk der Welt weist ein so günstiges Verhältnis von kleiner Wasserfläche und hoher Energieausbeute auf.

Militärisches Kalkül

Früher galt der Rio Parana als unüberwindliche Grenze zwischen Paraguay und Brasilien. "Das Kraftwerk hat beide Länder zueinander geführt", bemerkt der Präsident der binationalen Betreibergesellschaft von Itaipu, Fernando Xavier Ferreira. Und dann rechnet er vor: Die Energie wird zwischen beiden Partnern gleich aufgeteilt, aber Paraguay verbraucht nicht einmal zwei Prozent seiner Quote; also wird der Strom für Paraguay (fünfzig Hertz) wieder umgewandelt und an Brasilien (sechzig Hertz) zurückverkauft. Paraguay, das sagt der höfliche Brasilianer nicht, hat sich das Ja zum Bau des Kraftwerks teuer abkaufen lassen. Ob die Turbinen laufen oder nicht: In jedem Fall bekommt das Land einen großzügigen Obolus, der in den Taschen der Oligarchen verschwindet. 18,5 Milliarden Dollar hat das Werk mit Zins und Zinseszins gekostet; 33 Jahre nach dem Start der ersten Turbine, so hofft man, wird sich dieses Kraftwerk amortisiert haben und danach wie der Goldesel aus dem Märchen nur noch Dukaten hervorbringen.