Von Georg Blume und Judith Reicherzer

Der Coup war gelungen. Am 20. Dezember 1989 teilte der Bekleidungshersteller Hugo Boss der überraschten Öffentlichkeit in knappen Worten mit, daß die japanische Unternehmensgruppe Leyton House die Aktienmehrheit der Firma übernommen habe. Für schätzungsweise eine halbe Milliarde Mark hatte sich der Japaner Akira Akagi die Anteile am schwäbischen Traditionsschneider und den Aufsichtsratsvorsitz gesichert. In ihrem Geschäftsbericht für 1989 schrieben die ehemaligen Hauptaktionäre, die Brüder Uwe und Jochen Holy, denn auch stolz: "Die Position im Zukunftsmarkt Asien ist durch die Mehrheitsbeteiligung durch Leyton House, einer von Herrn Akira Akagi geführten japanischen Unternehmensgruppe, erheblich gestiegen."

Akira Akagi wurde am Donnerstag vergangener Woche von der Tokioter Polizei verhaftet. Ihm wird die maßgebliche Beteiligung am größten Kreditbetrug in der japanischen Geschichte zur Last gelegt. Die Polizei vermutet, daß Akagi und seine Komplizen zwischen 1987 und 1991 mit Hilfe von gefälschten Dokumenten Kredite in Höhe von annähernd sieben Milliarden Mark erhielten oder weiterleiteten. Davon stehen noch drei Milliarden Mark aus. Selbst abgebrühte japanische Bankenfachleute staunten, als sie von diesen Betrugssummen hörten.

Ans Licht kam der Skandal, als im Juni Akira Akagi im Tokioter Modeviertel Nishi-Azabu ein Prachtgebäude kaufte, in dem jetzt die Hugo Boss AG Anzüge und Krawatten anbietet. Stolze 200 Millionen Mark hatte sich der Japaner die feine Adresse kosten lassen. Doch das Geld dafür besaß er nicht. Er besorgte es sich vielmehr mit erschwindelten Krediten.

Geholfen hat ihm dabei die mächtige Fuji-Bank, das viertgrößte Geldhaus der Welt. Akira Akagi hatte offenbar Kontakt zu dem Leiter einer Filiale, Minoru Nakamura, der jetzt gemeinsam mit Akagi und dessen engstem Mitarbeiter, Masato Yajima, festgenommen wurde. Nakamura und Yajima arbeiteten seit 1987 eng zusammen. Nach den ersten Verhören vermutet die japanische Polizei, daß der Akagi-Mann Yajima den Filialleiter Nakamura zu den illegalen Geschäften überredete. Nakamura stellte daraufhin regelmäßig gefälschte Belege über Guthaben bei der Fuji-Bank aus, die Akagi und seine Komplizen für die Aufnahme neuer Anleihen benutzten.

Ein Ende des Schwindels muß wohl 1989 in Sicht gewesen sein. Akagi sollte Geld, das er bei Immobiliengeschäften verdient hatte, für die Tilgung der erschlichenen Kredite nutzen. Doch dazu kam es wohl nicht. Filialleiter Nakamura, der schließlich von seiner eigenen Bank angeklagt wurde, erzählte noch vor seiner Verhaftung in einem Interview mit der japanischen Tageszeitung Asahi Shimbun seine Version des Hugo-Boss-Geschäftes: "Weil Akagi mit dem Geld, das er damals eigentlich mir zurückgeben sollte, eine westdeutsche Firma kaufte, gerieten die Dinge außer Kontrolle."

Die Recherchen japanischer Zeitungen ergaben, daß Akagi und sein Firmenimperium ohne die illegale Kreditaufnahme bei der Fuji-Bank bereits 1987 Konkurs hätte anmelden müssen. Akagi wollte sich jedoch diesem Schicksal nicht fügen.