Ungetrübte Urlaubsvorfreude stellt sich nicht gleich ein. Im ersten Teil des Reiseführers "Belgien und Luxemburg" (DuMont Reihe "Richtig reisen"; 39 80 DM)führt uns Uwe ;Anhäuser nämlich zuerst zu den Schlachtfeldern Flanderns, wo noch heute beim Ackerpflügen die Gebeine der Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg sowie Blindgänger zutage gefördert werden. Auf solche Schattenseiten der während Jahrhunderten von Kriegen, Fremdherrschaften, SS Greuel und Aufständen geprägten Geschichte beider Länder kommt der Autor immer wieder zu sprechen, doch dies mit einem mahnenden, pazifistischen Plädoyer gegen glorifizierenden "SchlachtfelderTourismus".

Heiterer stimmen einen die Legenden, Mythen und Anekdoten — sei es über die Köhler und Kobolde der Ardennen; über den geschäftstüchtigen Abt von Saint Hubert, der die Klosterschmiede zur Kanonengießerei ausbaute; über den Maler Felicien Rops, der Ende des 19. Jahrhunderts die belgische Bourgeoisie mit seinen Darstellungen erotischer Vereinigungen von Nonnen mit dem Teufel schockierte; oder über den Hauptmann von Köpenick, der in Luxemburg seinen Lebensabend verbrachte.

Historische Besonderheiten — zum Beispiel das Leben der frommen Beginen — werden kenntnisreich erläutert. Akribisch recherchiert sind die Routen der Sehenswürdigkeiten, die sich jedoch wegen der Enge der beschriebenen Territorien bisweilen überschneiden und so die vielen eingestreuten Kartenausschnitte unverzichtbar machen. Der neue "Richtig reisen" Band taugt schon allein wegen seines Umfangs (400 Seiten, wovon 92 Luxemburg behandeln) kaum dazu, während der Sightseeingtour in der Westentasche mitgeschleppt zu werden. Er eignet sich hingegen hervorragend für eine unterhaltsame, genußvolle Lektüre vor der Abreise. Apropos Genuß: Wo sowohl das Königreich als auch das Großherzogtum ob ihrer kulinarischen Vielfalt und ihrer Gaststättentradition gerühmt werden, hätten Restaurant- und Bir stro Tips das ansonsten mit lückenlosen Informationen dienende Werk sicherlich aufgewertet.