In der Theorie ist alles ganz einfach. Stottert der Konjunkturmotor, müssen nur die Zinsen gesenkt werden, und schon läuft alles wieder wie gewünscht. In der Praxis allerdings ist die Steuerung einer Volkswirtschaft nicht ganz so einfach.

Wie störrisch Verbraucher, Unternehmer und Banken gelegentlich reagieren, kann Alan Greenspan, der Chef der amerikanischen Notenbank, studieren. Innerhalb von elf Monaten hat die Federal Reserve Bank (Fed) den Diskontsatz von acht auf fünf Prozent gesenkt – der Aufschwung in den USA aber läßt immer noch auf sich warten.

Denn obwohl Kredite so billig sind wie zuletzt in den siebziger Jahren, scheinen sich die US-Verbraucher auf eine Tugend zu besinnen, die in den achtziger Jahren völlig in Vergessenheit geraten war: die Sparsamkeit. Während in den achtziger Jahren die Konsumentenkredite im Schnitt jährlich um 10 Prozent wuchsen, ist diese Rate inzwischen auf 2 Prozent gesunken.

Das Umdenken der Amerikaner wirkt sich unmittelbar auf den Einzelhandel aus. Im August sind dort die Umsätze um 0,7 Prozent zurückgegangen.

Angesichts vieler wackeliger Immobilien- und Konsumentenkredite aus den vergangenen Jahren sind die Banken bei Kreditzusagen zudem sehr viel vorsichtiger geworden. Das bekommen Unternehmen zu spüren, die mit ihren Kreditwünschen bei den Finanzinstituten abblitzen. Ob angesichts dieser Lage die Prognose von Alan Greenspan in Erfüllung geht, der für das vierte Quartal ein Wachstum von drei Prozent erwartet, ist fraglich. mhf