Also, wie war das noch? 8264! Wir stehen in einer Telephonzelle in Frankfurt auf der Zeit und überlegen: War’s wirklich 8624? Jetzt nur keine Selbstzweifel aufkommen lassen. Also stecken wir das Telephonkärtchen in den Schlitz und tun genau das, was uns die Leuchtschrift befiehlt: "Bitte Geheimnummer eingeben." Bitte sehr, hier ist sie: 8624. Wer viel reist, ist auf seine Geheimnummer angewiesen, das wissen wir doch.

Doch da blinkt es uns vorwurfsvoll an: falsche Geheimzahl. Unsinn, denken wir, hängen auf, atmen tief durch und denken nach. Wieso nicht 8462? Schließlich hatten wir uns eine verläßliche Eselsbrücke gebaut, um die willkürlich zugeteilte Zahlenfolge nicht wieder zu vergessen: 222 – bei Issus Keilerei: Alle Zahlen ließen sich durch zwei teilen. Also noch mal: 8642. Oder vielleicht doch 8246? Kurz streifte uns die schreckliche Vorstellung, wie viele Kombinationsmöglichkeiten so ein simples Zahlengespann enthält. Noch mehr aber drängte die Frage, wie oft man sich irren darf.

Darum kramen wir hastig im Handtäschchen nach der "Bedienungsanleitung TeleKarte", die wir nebst Blutgruppenausweis und HW-Jahreskarte stets bei uns führen. Doch da gewahren wir einen Herrn, der ungeduldig hinter uns tritt. Einen aus der Gattung "dynamischer Aufsteiger", einer also, der nie seine Geheimzahl vergessen würde. Den wollen wir nun gerade nicht zum Augenzeugen unseres Versagens machen, und darum räumen wir hastig das Feld.

Und fangen wieder in der Steinzeit des öffentlichen Fernsprechverkehrs an. Wir suchen ein Telephonhäuschen mit Münzautomaten und kramen im Portemonnaie nach sogenanntem Hartgeld. Und wissen im gleichen Augenblick, warum wir seinerzeit dem Sirenengesang der Telekom verfielen. Es ist, wie es immer war: Die münzenschluckenden Telephonapparate sind besetzt, die freien kaputt, und das erforderliche Kleingeld haben wir auch nicht.

Den Bretzelmann und den Losverkäufer um Kleingeld anzugehen ist sinnlos. Die sind allesamt längst resistent geworden gegen diesen tausendmal am Tag geäußerten Wunsch. Wir werden auch nicht, wie wir’s schon einmal taten, nur wegen des Wechselgeldes einen Riesenknacker kaufen. Nachher wußten wir nicht, wohin damit in der engen Zelle. Verzweifelt versenkten wir ihn in einem Abfallkorb. Danach biß uns den ganzen Tag das schlechte Gewissen.

Notgedrungen probieren wir es noch einmal mit dem Zauberkärtchen. Vergebens. Auch die nächsten beiden Versuche scheitern, dann macht der Apparat überhaupt nicht mehr mit.

Vielleicht haben wir nur die Geheimnummern durcheinandergebracht? Die von der Bank mit der von der Visa-Karte oder die von der Visa-Karte mit der von Telekom? Es wird sich ja zeigen, denken wir und machen uns auf den Weg zum nächsten Geldautomaten. Und dabei überlegen wir, ob wir mit 8462 anfangen sollen oder doch besser mit 8246. Rosemarie Noack