Das Loblied vom Segen eines freien Welthandels singen EG-Vertreter gerne und bei jeder Gelegenheit. Und empört weisen sie den Vorwurf zurück, der geplante Binnenmarkt mache die Europäische Gemeinschaft zu einer nahezu unüberwindlichen Festung für Produkte aus anderen Teilen der Welt.

Doch Reden und Handeln sind zweierlei. Ungerührt verteidigt Brüssel – unterstützt von den Mitgliedsstaaten – die Agrarsubventionen in Milliardenhöhe selbst auf die Gefahr hin, daß daran die Verhandlungen im Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (Gatt) scheitern.

Der australischen Regierung ist angesichts der sturen Haltung der EG offenbar der Kragen geplatzt. Das Agrarexportland pfeift auf diplomatische Usancen und setzt nun auf die europäischen Verbraucher als neuen Verbündeten im Kampf gegen den "Wahnsinn". In einer Broschüre, die, in französischer, deutscher, spanischer, italienischer und englischer Sprache gedruckt, an alle europäischen Haushalte verteilt werden soll, wollen die Australier Aufklärungsarbeit leisten über die Kosten der EG-Agrarpolitik und ihre weltweiten Auswirkungen.

Als Folge der hohen Subventionen können EG-Anbieter auf dem Weltmarkt mühelos alle Konkurrenten beim Preis unterbieten, selbst einheimische Bauern haben oftmals gegen europäische Agrarprodukte keine Chance, weil ihre Ware teurer ist. Vor allem beim Weizen liefert sich die EG mit den Vereinigten Staaten eine erbitterte Schlacht – zum Nachteil der übrigen Länder. Allein die australischen Farmer mußten innerhalb der vergangenen Jahre ihre Anbaufläche um die Hälfte reduzieren.

Vermutlich wird die Aktion der australischen Regierung nicht erfolgreicher sein als die diplomatischen Bemühungen der Vergangenheit. Die europäischen Verbraucher werden schließlich niemals gefragt, wenn es um EG-Agrarpolitik geht, allein die Lobbyisten haben das Sagen. mhf