Von Otto Bohinc

Kurt Falk und Hans Dichand haben sich noch nie richtig leiden können. Trotzdem waren sie fast drei Jahrzehnte hindurch Partner. Jedem gehörte eine Hälfte der Kronenzeitung, gemeinsam haben sie daraus die größte und erfolgreichste Tageszeitung Österreichs gemacht. Leider beanspruchte jeder der beiden hundert Prozent des Erfolges für sich. Der Konflikt war programmiert.

Dichand gelang es schließlich im Herbst 1984, Falk in Frühpension zu schicken und allein das Blatt zu führen. Er mußte dafür entsprechende Gewinne aus dem Unternehmen herausholen und zur Hälfte an Falk abliefern. Auch wenn sich die beiden von diesem Zeitpunkt an nicht mehr grüßten und nur noch mittels Anwalt miteinander verkehrten, war das ein funktionierender Friede im Vergleich zur heutigen Situation.

Im November 1987 wurde Dichand seinen lästigen Partner dann auch als Miteigentümer der Kronenzeitung los. Falk hatte nämlich inzwischen die Wochenzeitung Die ganze Woche gegründet und in wenigen Monaten mit zwei Millionen Lesern pro Ausgabe das zweitstärkste Blatt hinter der Kronenzeitung etabliert. Dichand witterte deshalb Konkurrenz zu der gemeinsamen Tageszeitung und forderte die Trennung.

Wer bei dieser Aktion der Gewinner war, ist bis heute nicht ganz entschieden. Auf keinen Fall ist es die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ). Der Essener Zeitungskonzern steuerte nämlich 230 Millionen Mark zur Abfindung von Falk bei, der für insgesamt 315 Millionen bei der Kronenzeitung ausstieg. Die WAZ bekam dafür 45 Prozent der Kronenzeitung.

Doch zugleich haben sich die Essener einen Feind aufgehalst, der nichts anderes im Sinn hat, als sie am österreichischen Markt zu bekämpfen, so gut er kann. Damit nicht genug: Die WAZ hat Falk auch noch mit dem notwendigen Geld ausgestattet. Zwar hat sich Falk verpflichten müssen, vier Jahre lang die Finger von einer Tageszeitung zu lassen. Doch diese Frist läuft Ende November dieses Jahres ab, und der Verleger hat bisher keinerlei Zweifel daran gelassen, daß er, sobald er frei ist, mit voller Kraft gegen die Kronenzeitung losziehen und Österreich mit einer neuen Tageszeitung beglücken will.

Am Geld wird es sicher nicht scheitern. Kurt Falk ist einer der reichsten Österreicher. Allein sein Barvermögen wird auf rund 500 bis 600 Millionen Mark geschätzt – dafür ist er der WAZ heute noch dankbar. Und seine Erfolgsbesessenheit macht ihn für seine Konkurrenten zum gefährlichen Gegner. Er ist ein Einzelgänger, der ohne großen Mitarbeiterstab Entscheidungen trifft und sofort umsetzt. Sein Verhalten ist kaum kalkulierbar. Exzentriker ist noch das Schmeichelhafteste, was Kurt Falk nachgesagt wird. Hat er einen Mitarbeiter auf seiner Wunschliste, so ist er bereit, jede Summe als Gehalt hinzulegen. "Lohn der Angst" nennen das von Falk gefeuerte Journalisten. Denn wenn ihm bei seinen Angestellten eine Kleinigkeit nicht paßt, bedeutet das deren prompten Rausschmiß. Seine Stimmung kann von einem Augenblick zum anderen umschlagen. In einem Zeitraum von fünf Jahren hat er angeblich mehr als 150 Mitarbeiter vor die Tür gesetzt. Zu Friedenszeiten ist er hingegen ungewöhnlich humorvoll, warmherzig und liebenswürdig.