Seitdem der Deutsche Aktienindex (Dax) die durch den Putsch in der Sowjetunion verursachten Verluste wieder aufgeholt hat, bewegen sich die Aktienkurse konstant seitwärts. Und dies immer noch bei äußerst geringen Umsätzen.

Nicht einmal die neuerliche Zinssenkung in den USA, die von ähnlichen Schritten in anderen Ländern begleitet wird, hat dem deutschen Aktien- und Rentenmarkt Impulse gebracht. Gleichwohl halten Rentenmarktexperten eine leichte Zinssenkung für möglich, sobald die Bundesregierung das vom Bundesverfassungsgericht geforderte neue Konzept für die Zinsbesteuerung vorgelegt hat. Nimmt Bonn dabei Rücksicht auf die Kapitalmärkte, könnte sich die Nachfrage nach festverzinslichen deutschen Papieren auch aus dem Ausland verstärken und zu höheren Kursen der festverzinslichen Papiere führen.

Die Tatsache, daß Bankaktien trotz der Aussichten auf bessere Rentenkurse bisher nicht reagiert haben, hängt mit den Risiken der der Sowjetunion gewährten Kredite zusammen. Der Markt der Bankaktien ist nach wie vor empfindlich. Deshalb wurde die Kapitalerhöhung der Bayerischen Vereinsbank auch nicht mit sonderlicher Freude aufgenommen. Die Begeisterung für die Optionsgenußscheine hielt sich bisher ebenfalls in Grenzen.

Am ehesten auf die Zinsperspektiven haben die drei großen Chemiekonzerne BASF, Bayer und Hoechst reagiert. Nach wie vor wird davon ausgegangen, daß die Unternehmen trotz des in diesem Jahr eingetretenen Ertragsrückgangs ihre Dividende von dreizehn Mark beibehalten werden. Damit können sie zwar nicht mit den Renditen des Rentenmarktes konkurrieren, aber sie bieten immerhin einen gewissen Rückhalt und sind insbesondere für solche institutionellen Anleger interessant, die ihrerseits Geld für Ausschüttungen ansammeln müssen.

Zu Sonderbewegungen kam es in den letzten Tagen wieder bei Schering-Aktien. Sie wanderten in Richtung London ab. Ob dort allerdings die Auftraggeber sitzen, wird bezweifelt. Bisher wird davon ausgegangen, daß sich in den USA eine Paketbildung vollzieht. Die Mehrheit des Schering-Kapitals befindet sich schon im ausländischen Besitz, jedoch verteilt auf viele Besitzer.

Eine kalte Dusche gab es für Siemens- und Siemens-Nixdorf-Aktien, als bekanntwurde, daß bei Nixdorf in diesem Jahr mit einem Verlust von rund einer Milliarde Mark gerechnet werden muß. Ob dieses Defizit schon in den Siemens-Gewinnschätzungen berücksichtigt ist, darüber streiten selbst die Experten. K.W.