Das Pizzeria-Idiom

Mit flüssigem Englisch, denkt der Durchschnitts-Deutsche, kann im Ausland eigentlich nichts schiefgehen. Oder doch? Daß gewisse Sprachfertigkeiten geradezu hinderlich sein können, erfuhr unser Mitarbeiter Detlev Stoffels in der New Yorker Pizzeria "Ray’s Pizza":

Der Pizza-Bäcker starrte mich an, Mundwinkel nach unten. Bei meiner ersten Bestellung versuchte ich seiner Eiseskälte mit freundlichem Grinsen und bestem Oxford-Englisch entgegenzutreten: "I would like to have one slice of Cheese-Pizza, please." Er verharrte regungslos, sein Gesicht verzog sich zu einem Fragezeichen: "What?" Guten Mutes formulierte ich meine Bestellung um: "One slice of Cheese-Pizza." Gegenfrage: "Cheese?" Meine Güte, nichts anderes hatte ich doch eben gesagt. "Yes." – "Eat here or to go?" – "To go", antwortete ich. Nun schienen wir beide ein gemeinsames Sprachniveau gefunden zu haben. Glaubte ich. Doch die Probleme zwischen uns rissen auch in den nächsten Wochen nicht ab. Nachdem ich es zunächst mit "Cheese-Pizza to go" versuchte hatte ("What?"), hörte ich schließlich bei einem anderen Kunden die Ultra-Kurzformel: "One to go!" Aber auch damit hatte ich keinen Erfolg; stets schlug mir ein stereotypes "What?" entgegen.

Mein Aufenthalt in New York näherte sich dem Ende, als ich eines Abends wieder "Ray’s Pizza" betrat. Vor mir gab jemand seine Bestellung ab: "One to go!" Jedenfalls wollte er das wohl sagen. Richtig hörte man aber nur etwas Genuscheltes, das wie "Ho ho ho!" klang. Der Pizzabäcker reichte ihm ein Stück Cheese-Pizza. Mir war völlig unverständlich, warum dieser Mensch bei dieser Aussprache anstandslos sein Stück Pizza bekam, ich mit meiner Bestellung hingegen nur auf Unverständnis stieß. Ich kochte innerlich, als der Pizzabäcker sich schließlich mir zuwandte, um meine Bestellung entgegenzunehmen. Ich beugte mich leicht über den Tresen und sagte: "Ho ho ho!"

Er antwortete: "One cheese, 1,75, thank you, next."

Das Männer-Syndrom

Wie unlängst den Stellen-Angeboten in der FAZ zu entnehmen war, hat Frankfurt/Oder Zukunftspläne und sucht einen Direktor der Stadtwerke. Eine Münchner Personalberatungsfirma komponierte dazu eine Anzeige, die in dem Satz kulminierte: "Wir wissen, daß hochfliegende Pläne nur mit tatkräftigen Männern, die Pioniergeist besitzen, zu realisieren sind." Leserin Regina Titzrath-Mahler schrieb daraufhin diesen offenen Brief an die InterMedia, Gesellschaft für Management und Personalberatung mbH.

"Sehr geehrte Damen und Herren, da ich mich derzeit meinen kleinen Kindern widme, stehe ich Ihnen für diese Aufgabe nicht zur Verfügung. Jedoch hat mich der Stil Ihrer Anzeige sehr befremdet. Ich sehe mit Erstaunen, daß Sie damit die Geschlechtszugehörigkeit als wesentliches Qualifikationsmerkmal für die Besetzung der Stelle ansehen. Daß auch Frauen juristische Kenntnisse und Führungserfahrung sammeln, ganz zu schweigen von englischen Sprachkenntnissen, ist mittlerweile wohlbekannt. Ihr Texter formulierte dagegen ganz im Sinne des ehemaligen DDR-Regimes: Zugehörigkeit zur Klasse geht vor Klasse. Ich bin überzeugt, daß diese Auswahlkriterien der Verantwortung und dem Einfluß der von Ihnen ausgeschriebenen Stelle nicht angemessen sind."