"Haben Sie Bücherregale?"

"Ja. Wofür brauchen Sie die denn?"

Neulich, in einem Hamburger Möbelgeschäft

Im Tempel – ein Bürotel!

Die Hoffnung, eines Tages werde die Treuhandanstalt auch einmal zu einer klugen Entscheidung imstande sein, zum Beispiel in Dresden, hat neuerlich getrogen: In den ehemaligen Yenidze-Tabackontor mit seiner orientalischen, das Stadtbild so unübersehbar prägenden Moscheen-Kuppel und dem Schornstein-Minarett wird nun doch nicht ein Kinozentrum mit Klubräumen und Restaurants einziehen dürfen. Der Komplex wurde – wahrscheinlich gegen einen entschieden höheren Betrag, als die Constantin-Kinoholding ihn hatte bieten können – an eine Firma veräußert, die die historische Zigarettenfabrik zu einem sogenannten Bürotel umbauen will. Was immer sich hinter dem Plastikwort verbirgt: Es wird ein der Öffentlichkeit entzogenes steriles Kaufmanns-Silo. Traurig ist, daß die Stadt Dresden mit dieser Entscheidung offenbar selber geliebäugelt hat – mit der merkwürdigen Begründung, sie hätte den mit dem Kinopublikum zu erwartenden Verkehr nicht bewältigen können. Traurig ist auch, daß nun der phantasievolle Entwurf aus dem Büro des Stuttgarter Architekten Günter Behnisch Papier bleibt und daß rigorose Eingriffe in das originelle Baudenkmal drohen. Traurig ist endlich, daß damit die einzigartige Chance ausgeschlagen worden ist, die Innenstadt und die barocke Friedrichstadt durch eine kulturelle, allen Dresdnern zugedachte und Geselligkeit verheißende Institution zusammenzubringen. Wieder ein Stück Stadtleben weniger.

Bist in der Fremde, Freund...

Zu wem spricht ein Dichter, den die Nazis zur Emigration ans andere Ende der Welt gezwungen haben? An keinen Menschen, sondern an einen Baum, an einen aus der mediterranen Wahlheimat mitgebrachten Feigenbaum, richtet der fast siebzigjährige Darmstädter Karl Wolfskehl im fernen Neuseeland, wo er 1948 gestorben ist, die Klage: "Bist in der Fremde, Freund..." Es ist eines der persönlichsten Gedichte des Autors aus dem Kreis um Stefan George. Neues, Wichtiges, Trauriges bringt Friedrich Voit über Wolfskehls Leben und Werk in Auckland im neuen Heft der von Edita Koch herausgegebenen, zweimal jährlich erscheinenden Zeitschrift Exil – Forschung, Erkenntnisse, Ergebnisse (Nr. 1/91; Goethestraße 122, 6457 Maintal 2; 118 Seiten, 19,50 Mark). Der am "Europa-Ekel fast erstickte" Wolfskehl kann auch im Exil nicht frei atmen: "Ich friere wo am weiten Ozean. / Fremd mut’ ich, muten mich die Menschen an." Dies ist durchgehendes Motiv aller Aufsätze (über Paul Ludwig Landsberg, Thomas Mann, Paul Celan). Lesenswert – beschämend – die Dokumentation der "Parteilebensläufe" aus den Kaderakten der Komintern, selbstbezichtigende Beichten von Erich Birkenhauer, Otto Unger, Margarete Buber-Neumann. Mit Aufsätzen über die Emigration in den Niederlanden ("Castrum Peregrini") und England ist auch dieses Heft wieder eine Fundgrube für die lang vernachlässigte Exil-Forschung.

Nach den Sommer-Hühnern und den Winter-Spatzen nun der dritte Teil des Jahreszeiten-Zyklus von Tex Rubinowitz. Ohne Zweifel zeigt sich in den neuen Arbeiten eine Tendenz zur Abbreviatur: Die "Caricature brüte" wird zur "Caricature minimale" – eine interessante Wendung in dem Werk des jungen Wiener Künstlers, der wie fast alle guten Wiener Künstler aus der BRD kommt.