Der deutsche Freund

Bereits Anfang Juli hat Michail Gorbatschow bei der Begegnung mit Helmut Kohl in Kiew über den wachsenden Druck der Konservativen im Kreml geklagt. Nach Informationen der ZEIT äußerte Gorbatschow dabei auch die Befürchtung, seine Gegner planten einen Staatsstreich gegen ihn, den er und seine Familie womöglich nicht überleben würden. Im Falle der Bedrängnis möge der deutsche Freund die Weltöffentlichkeit mobilisieren. Am 19. August, dem ersten Putschtag, handelte Kohl, wie in Kiew besprochen. Er telephonierte mit Bush, Mitterrand und Major und forderte in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme von den Moskauer Putschisten ausdrücklich Garantien für die "persönliche Unversehrtheit" Gorbatschows. Ähnlich äußerte sich danach auch der amerikanische Präsident.

Griff zum Gewehr

Eduardo Flores war Korrespondent der spanischen Zeitung La Vanguardia und berichtete aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg. Mittlerweile ist sein Posten neu besetzt worden. Flores vertauschte seine Schreibmaschine mit dem Gewehr und schloß sich den Verteidigern Kroatiens an. "Ich habe nie im Leben solch einen schmutzigen Krieg gesehen", erklärte er. "Eines Tages sagte ich mir: Genug! Europa will die Massaker nicht sehen, die hier geschehen."

Russenwörter raus

In der vorigen Woche erklärte Tadschikistan seine Unabhängigkeit von Moskau. Zur selben Zeit wurde eine starke Gesandtschaft nach Manchester geschickt – nicht, um Hilfe zu suchen oder Handelsfäden zu knüpfen, sondern weil man ausgerechnet an der Universität von Manchester sich jener Frage widmet, die tadschikische Gemüter am meisten bewegt: Drei Tage in Klausur, diskutierten die Intellektuellen aus dem fernen Osten, wie in ihrer dem Persischen verwandten Sprache die gräßlichen Russenwörter durch persischen oder arabischen Wohllaut zu ersetzen seien. Ein großes und darum schwieriges Werk. So wird das persische Wort für Fallschirm wohl nicht tadschikisch adaptiert werden. "Chatr-e rejad" heißt "Regenschirm der Rettung".

Ausgezeichnet

Für seinen Beitrag "Es war ja nur so ’ne Idee" (ZEIT Nr. 20 vom 10. Mai 1990) ist der ZEIT-Redakteur Nikolaus Piper mit dem diesjährigen Vogel-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet worden. Der Autor habe, so die Jury der Friedrich und Isabel Vogel-Stiftung, "die führenden Vertreter der marxistischen Ökonomie in Ost und West wie in einer Reportage beschrieben und den umfangreichen Stoff dieser Thematik äußerst spannend aufbereitet".