Nur wenige haben damit gerechnet, manche glauben es noch immer nicht: Während Osteuropa in einem nationalistischen Rausch versinkt, der bis nach Katalonien und nach Schottland ausstrahlt, findet die gute alte Europäische Gemeinschaft die Kraft, eine Wirtschafts- und Währungsunion aufzubauen. Im Dezember werden die Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfel von Maastricht den Vertrag darüber unterzeichnen.

Der kurz aufgeflammte Konflikt zwischen den wirtschaftlich reiferen Ländern des Nordens und den ärmeren Brüdern im Süden, die sich ausgeschlossen fühlten, ist überwunden. Die Währungsunion steht allen zwölf Staaten offen, doch einige werden etwas später teilnehmen. Objektive Kriterien sollen entscheiden, wann ein Land zum Klub des harten Geldes dazustoßen kann, der vermutlich 1997 gegründet wird. Damit werden drei Gefahren vermieden:

  • Die Geldwertstabilität in der Union wird nicht von vornherein durch Schwachwährungsländer gefährdet.
  • Die weniger starken Volkswirtschaften werden nicht vorzeitig in eine Währungsunion getrieben, die sie mit zusätzlicher Arbeitslosigkeit und regionalen Krisen bezahlen müßten.
  • Die Union wird nicht bis auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben, was der Fall gewesen wäre, wenn der letzte Nachzügler das Tempo des Übergangs bestimmt hätte.

Wenn 1997 alle Länder mit niedrigen Inflationsraten und Budgetdefiziten, stabilen Währungen sowie vergleichbaren Zinsniveaus ihre Währungen zusammenlegen, zeugt das keineswegs von unnötiger Hast. Der frühere Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl hat häufig erklärt, man könne schon morgen eine Währungsunion mit den Staaten gründen, die im Europäischen Währungssystem einen Stabilitätsblock bilden: Frankreich, die Benelux-Staaten, Dänemark und die Bundesrepublik.

Tatsächlich bedeutet es für die Geldpolitik keinen revolutionären Wandel, wenn diese Länder ihre nationalen Währungen aufgeben. Deren Wechselkurse sind seit 1987 nicht mehr angepaßt worden, das Zinsniveau hat sich weitgehend vereinheitlicht. Das Geld dieser Ländergruppe ist im wahrsten Sinne des Wortes austauschbar geworden. Da liegt es nahe, auch den letzten Schritt zu tun und eine gemeinsame Währung zu schaffen.

Aus diesem Schritt wird gleichwohl ein großer Sprung, wenn man sich vor Augen hält, daß wichtige Souveränitätsrechte aufgegeben werden: die Währungshoheit, das eigene Geld, die selbständige Zentralbank. Die Währungsunion ist also mehr als eine technische Weiterentwicklung der Europäischen Gemeinschaft. Sie bedeutet einen historischen Rückzug des Nationalstaates. Allein deshalb ist sie wünschenswert, mehr noch als wegen der buchhalterischen Vorteile, die sie bietet, indem sie das Wechselkursrisiko und die Umtauschkosten aufhebt.

Wenn in Deutschland die bislang weitgehend ausgeblendete Perspektive der Währungsunion demnächst stärker ins Blickfeld gerät, dürften zwei Ängste wach werden: die vor dem Verlust des harten Geldes und die vor einer zentralistischen Bürokratie. Die erste Befürchtung erledigt sich rasch von selbst, da der französische Franc die Mark mittlerweile an Stabilität übertrifft.