Das Ende des finnischen Wirtschaftswunders: Jetzt kämpft das Land mit einer schweren Rezession

Von Wolfgang Zank

Am Donnerstag vergangener Woche um 14.05 Uhr teilte die finnische Staatsbank den Nachrichtenagenturen mit, sie würde die volle Kontrolle über die Scab-Bank, die Sparbankernas Centrai-Aktie-Bank, übernehmen; die Nationalbank würde für sämtliche in- und ausländischen Verbindlichkeiten des Geldinstitutes geradestehen und dessen Liquidität garantieren. Die Scab-Bank, eine gemeinsame Tochtergesellschaft der finnischen Sparkassen, wurde damit praktisch verstaatlicht, wenn auch wohl nur zeitweise. Nationalbank-Direktor Rolf Kullberg geht davon aus, daß sich nach einer Rekonstruktion des Institutes neue Eigentümer finden werden.

Niemand kann derzeit die Kosten der Rettungsaktion überblicken. "Es gibt keinen Grund zur Panik", meinte der konservative Finanzminister Iiro Viinanen, "alles läuft nach Plan." Und Premierminister Esko Aho von der Centrumspartei hofft, daß das Vertrauen ins finnische Bankensystem erhalten bleibt. "Es ist möglich, daß die Angelegenheit keine negativen Folgen nach sich zieht, allerdings wohl auch keine positiven." Scab-Generaldirektor Christopher Wegelius und der Plazierungschef der Bank, Juhani Riikonen, nahmen ihren Abschied. Der Abgang von Riikonen ist geradezu symbolisch. In den achtziger Jahren galt er als der Stern der finnischen Börse, ein Meister des "Kasino-Kapitalismus". Vor allem er stand hinter dem risikobetonten kreditfinanzierten Expansionskurs der Scab-Bank, der nun beinahe im Crash endete.

Internationale Spitzenklasse

Der Scab-Fall war für die Finnen nur eine von vielen schlechten Nachrichten in jüngster Zeit. Eine Woche zuvor erhielten beispielsweise die siebzig Arbeiter und Angestellten des Askolins-Sägewerkes in Isnäs, einem kleinen Ort rund sechzig Kilometer östlich von Helsinki, blaue Briefe: Das beinahe hundert Jahre alte Werk wird Ende des Monats "bis auf weiteres" stillgelegt. Die meisten Arbeiter werden dann zwangsweise in Urlaub geschickt. Direktor Bo Borgström vom Holz-Konzern Tampella Forest Oy erklärte zwar: "Wenn die Bauholzpreise wieder realistisch werden, könnten wir den Betrieb vielleicht wieder in Gang setzen." Aber vor Mitte nächsten Jahres wird dies kaum passieren – wenn überhaupt.

Branchenexperten zufolge arbeitet zur Zeit kaum eines der rund hundert finnischen Industrie-Sägewerke rentabel; die angelieferten Baumstämme kosten gegenwärtig mehr als fertig gesägte Bretter und Balken. Alles in allem macht die Branche 1991 etwa eine Milliarde Finnmark Verlust (rund 400 Millionen Mark), die Kapazitäten sind nur zur Hälfte ausgelastet. Einem Drittel der Betriebe droht binnen eines Jahres der Konkurs.