Tübingen

Schrotthändler Jürgen Möck schwärmt noch heute von der Ladung, die sechs große Lastwagen der Bundeswehr im Herbst letzten Jahres bei ihm abluden: "Die waren bis zum Rand gefüllt. Beste Qualität." Die Fracht, 300 Aluminiumhüllen für Napalmbomben und 350 Fässer des Napalgrundstoffes Naphten-Palmitin, stammte aus verschiedenen Depots der Luftwaffe.

Erfolgreich für das Militär und verheerend für die Zivilbevölkerung wurden Napalmbomben erstmals im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Die durch ein Verdickungsmittel klebrige Substanz konnte nur schwer gelöscht werden und verursachte Verbrennungen, meist mit Todesfolge. 14 000 Tonnen dieser Bomben warfen die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg auf Ziele im Pazifik. 32 000 Tonnen Napalm wurden von den USA in Korea eingesetzt, und auf 400 000 Tonnen schätzt man den Abwurf im Vietnamkrieg. Erst als ganze Dörfer von Napalmbomben vernichtet wurden und brennende Kinder vor den Fernsehkameras der Welt verendeten, entschloß sich die Uno, den Einsatz von Napalm zu ächten. 1981 wurde das Verbot gegen die Stimmen der USA, Rumäniens und der Türkei durchgesetzt.

Als Nato-Mitglied verfügte auch die Bundeswehr zu diesem Zeitpunkt noch über Napalmbomben. Bei den Militärs war die Waffe schon deshalb so beliebt, weil ihrer hohen Wirkung äußerst niedrige Produktionskosten gegenüberstanden. In der Bombenhülle aus Aluminium wird lediglich eine Art Schmierseife als Verdickungsmittel, bestehend aus Naphtensäure und Palmitinsäure, mit Flugzeugbenzin vermischt. Mit einem Zünder versehen, explodiert das Geschoß am Boden und versprüht einen 2000 Grad heißen Regen.

Das Uno-Verbot kümmerte die Bundeswehr offenbar wenig. Die vom deutsch-holländischen Rüstungsunternehmen VFW-Fokker hergestellten Bombenhüllen lagerten nebst Zündern und Verdickungsmittel bis vor wenigen Monaten einsatzbereit in verschiedenen Depots der Luftwaffe.

Ein Mißbrauch oder gar privater Handel mit den Napalmgrundstoffen, so hatte das Verteidigungsministerium 1976 mitgeteilt, seien völlig ausgeschlossen. Auf eine Anfrage des SPD-Bundestagsabgeordneten Norbert Gansel antwortete der damalige Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Hermann Schmidt: "Auch in Zukunft wird die Bundeswehr auszusondernde Napalmbehälter vernichten oder an Nato-Partner abgeben. Das gleiche gilt auch für Zünder und Verdicker. Dadurch ist sichergestellt, daß ein Handel mit bundeswehreigenen Napalmbehältern, Zündern und Verdickern völlig ausgeschlossen ist."

Auf der Bonner Hardthöhe scheint man diesen Vorsatz aufgegeben zu haben. Die bundeseigene Verwertungsgesellschaft Vebeg bot dem schwäbischen Schrotthändler Jürgen Möck im Sommer vergangenen Jahres sowohl den Napalmverdicker als auch die Bombenhüllen an. Als Möck daraufhin erschrocken nachfragte, wurde ihm eine Unbedenklichkeitsbescheinigung gezeigt. Darin hieß es, das Verdickungsmittel sei, für sich genommen, völlig harmlos und eigne sich hervorragend als Ölbindemittel.