Guten Abend, sehversehrte Damunherrn, willkommen zum Letzten, diesmal aus Mainz. Mainz wie Fernsehen? Ja, genau. Eine unserer wahreren Leidenschaften besteht nämlich nicht, wie Sie vielleicht glauben, im Lesen steindummer stern-Artikel ("Das Ende einer Legende – Frau gegen Frau"), sondern im Angucken der heute-Sendung, die uns außer mit Nachrichten aus aller Welt auch mit Kulturnotizen versorgt. Denn wenn hinter Jugoslawien, Asylrecht, Kanzler und Kongreß mal noch ein bißchen Platz ist und gerade zufälligerweise kein Nilpferd geniest und kein Mondkalb gekalbt hat, wirft die heute-Redaktion einen Blick in die Welt des Geistes und der Kunst. Und der sieht meistens so, so oder so aus:

1. Der Kunstverein in Brakel zeigt bis zum 20. Dezember Maler Schnödeis sämtliche Werke. Die Kamera flaniert, ein Sprecher kommentiert: "Raum und Zeit, Farbe und Ton: Schnödel verbindet Eleganz und Delikatesse zu gediegener Malkunst." Dazu immer (immer!) Klaviermusik von Chopin. – 2. Bei der Mailänder Modenschau aufs kommende Frühjahr triumphiert wie erwartet der Tüllrock. Der Sprecher: "Helle Farben, flotte Schnitte – die Mode setzt auf Sonnenschein." Dazu sonniger Pop vom Band. – 3. Beim Internationalen Frisörstreffen in Bielefeld stellen die Meister der Zunft die neuen Winterschnitte vor. Unter Luigi Scalpellis fachkundiger Hand, verspricht der Sprecher, werde "der Bubikopf zum kreativen Chaos" und die Stirnlocke zum ästhetischen Irgendwie. Dazu Frisiersalonmusik, bis sich die Locke von selber rollt.

Wenn dann, nach endlosen, unvergeßlichen Fernsehminuten, endlich die Wettervorhersage kommt und Uwe "die Fliege" Wesp das Biscayatief beschwört, schweben wir längst im siebten Himmel zwischen Frisören, Röcken und Mondkälbern. Das ist Kültür, Kutür, Glamür, wie es uns und den heute-Kollegen gefällt! Nur Ulrich Wickert, dieser Edel-Michel vom Ersten Programm, will uns den Spaß verderben: Er werde, sagte Uli jüngst, von nun an jeden Monat in den Tagesthemen ein Buch vorstellen. Ein Buch! Und jeden Monat! Das sind dann zwölf im Jahr. Nachbarin, euer Scherchen! Finis