"Ein größeres Wunder als das richtig gewählte Wort gibt es nicht." Ludwig Hohl.

Was ich in der ZEIT vom 6. September in dem Artikel "Notstand: Villa Massimo" der Autoren Modick, Ortheil und Wagner über mich zu lesen bekam, das bin ich nicht. Und was um diese frei erfundene Figur herum über die Villa geschrieben steht, ergibt auch kein nur halbwegs zutreffendes Bild "eines der berühmtesten deutschen Kulturinstitute im Ausland", das zu leiten ich die Ehre habe. Ein starkes Element der Übertreibung ist, freundlich ausgedrückt, das Kennzeichen ihrer Gemeinschaftsarbeit. Unfreundlich ausgedrückt: Den Autoren fehlt es durchweg am treffenden Wort zur Lage und zu den handelnden Personen, immer fällt ihnen nur das verletzende ein.

Auf seinen Kern reduziert, behauptet der tief unter die Gürtellinie zielende Angriff, es würde dort für die Künstler nichts getan, ich liebte das Repräsentieren, intrigierte mit Unschuldsmiene hinter den Kulissen, hielte Künstler für Bittsteller, beengte ihre freie Entfaltung durch ein "starres Norm- und Regelwerk" (das Statut und die Hausordnung, beide nicht von mir, sondern vom Bundesministerium des Innern verfaßt), hielte mir einen Klüngel von Beratern und Freunden als Hofgesellschaft und hätte alle Kritik der von mir verschuldeten Mißstände von mir abtropfen lassen.

Um mit dem angeblichen Nichtstun zu beginnen: Als Vorleistung auf die tätige Förderung sehen sich die Studiengäste der Villa Massimo in Lebens- und Arbeitsbedingungen versetzt, die ganz erheblich vorteilhafter sind als die der in die anderen deutschen Fördereinrichtungen in Rom – das Kunsthistorische Institut Hertziana, das Historische und das Archäologische Institut – entsandten jungen Wissenschaftler. Die Förderung in der Villa Massimo umfaßt, außer der freien Unterkunft, das Barstipendium mit einem Zuschuß zu den Lebenshaltungskosten, Zuschüsse zu den Reise-, Transport- und Materialkosten, Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und ähnliche, dem Zweck des Studienaufenthaltes dienende Maßnahmen, die von der Villa Massimo veranstaltet werden, sowie Ausstellungen und ähnliche, den Studiengästen dienende Maßnahmen, die nach Maßgabe der verfügbaren Haushaltsmittel in der Bundesrepublik Deutschland vom Bundesminister des Innern und den für Kunstförderung zuständigen Behörden der Länder veranstaltet werden. Darüber hinaus ist es meine Aufgabe, die Studiengäste unter Wahrung ihrer persönlichen und künstlerischen Freiheit durch Vermittlung von Kontakten in besonderer Weise zu fördern. Das ist natürlich auch geschehen, wenn auch immer nur mit wechselndem Erfolg. Bei weitem nicht jede künstlerische Qualität aus der Villa Massimo findet römische Interessenten, seien es nun Galeristen, die Buchhandlung Harder, das Goethe-Institut, das Architektur-Institut Inarch, die Musikabteilung des italienischen Rundfunks oder Kritiker aller Sparten, die sich für die deutsche Offerte begeistern. Und ohne meine guten persönlichen Beziehungen reagierte man dort noch zurückhaltender.

Argumente, die zur falschen Kennzeichnung der Direktorenfamilie taugen, müssen auch mein Mann, unser Sohn, unsere Tochter, unsere Haushälterin und unsere Freunde liefern. Die ganze Sippschaft sozusagen in Sippenhaft genommen, einschließlich der schrecklichen Hunde, die bis vor drei Monaten die nettesten Spielkameraden der Stipendiatenkinder waren. "Engster Berater der Direktorin", das mag zu meinem Mann noch angehen, das kommt bei Ehepaaren vor. Aber vom Aufstieg "in die Gefilde des römischen Sonetts" bis zu der unfreiwilligen Entlarvung seiner Wunschvorstellung von "Stille und Kontemplation im akademischen Hain" als kitschiger Lüge stimmt einfach nichts.

Auch der Sohn ist natürlich nicht das, was über ihn verbreitet wird. Weder Frontkämpfer noch Hoferbe, noch Anhänger der Nationalistischen Front, noch Verfechter der Auschwitz-Lüge und Leugner des Holocaust, wie man glauben machen will. Er ist Student der Philosophie, hat sicher mehr Ernst Jünger als Adorno gelesen, man darf ihn schon konservativ nennen, aber mehr auch nicht. Und das ist eine der Stationen auf dem Wege der Selbstfindung, die jungen Leuten erlaubt sein müssen.Zumal bei einem Großvater, meinem Vorgänger im Amt, den Hitler 1938 wegen nichtarischer Versippung und politischer Unzuverlässigkeit aus dem Amt jagte, und familiären Zusammenhang mit der jüdischen Stifterfamilie. Erst recht aber im Zusammenhang mit dem von Modick, Ortheil und Wagner ausgerufenen Notstand: Villa Massimo, in der so erfahrene und schriftkundige Intellektuelle wie sie in genauer Kenntnis des wahren Sachverhalts, nämlich dem Aufkleber "Hände weg von Deutschland" am Moped unseres Sohnes, in einem auch dem BMI zugänglich gemachten Papier vorsätzlich irrend forderten, "daß keine rechtsradikalen Parolen von Mitgliedern der Familie Wolken in Umlauf gesetzt werden", und den unzutreffenden Plural, meines Wissens vom Ministerium nicht gerügt, erst auf meine Beschwerde hin korrigierten.