Wer so vorgeht in Verfolg seiner Herzensangelegenheit, die Villa Massimo von allen Wolken zu befreien, der mag sonst ein ehrenwerter Schriftsteller sein, in dieser Sache verspielt er durch grobe Irreführung der Öffentlichkeit den Anspruch auf Respekt.

Als unhaltbar erweist sich weiterhin, was über den "sogenannten", aber real existierenden "Freundes- und Förderkreis Villa Massimo", einen im Vereinsregister für Bonn eingetragenen Verein, und seinen Vorsitzenden Dr. Sebastian Storz geäußert wird. Er belegte nicht "ein paar Jährchen die beste Gästewohnung der Villa", sondern hat mit Genehmigung des BMI drei Jahre in einer der kleinsten (3a) Unterkünfte als zahlender Gast gewohnt, um eine als Stipendiat begonnene bauhistorische Untersuchung im Bereich der römischen Architektur abzuschließen. Er hat sich natürlich nicht selbst zum Vorsitzenden des Freundeskreises ernannt, sondern wurde es durch Wahlbeschluß der Gründungsversammlung.

Ich liebe also das Repräsentieren, heißt es. Das ist so nicht richtig. Es gehört zu meinen Dienstpflichten, die Villa Massimo auch nach außen zu vertreten. Der Brockhaus versteht darunter "ein würdiges, standesgemäßes Auftreten"; das habe ich gelernt, kann also auch dieser Pflicht nachkommen. Ebenso unrichtig ist, daß Künstler mich stören, in meinem Weltbild Bittsteller sind. Ich bin seit 28 Jahren mit einem verheiratet, die meisten unserer Freunde gehören auch zu dieser Spezies – ich meine, das sollte genügen. Richtig ist, daß unsere Ausstellungen seit 26 Jahren weder eröffnet noch von mir mit einleitenden Worten begleitet werden. Grund: In Rom werden Ausstellungen zwanglos, ohne Reden eröffnet, und daran halte ich mich. Unkenntnis der römischen Kunstszene-Sitten, mehr verrät diese Mängelfeststellung nicht. Daß die Ausstellung vom 14. Juni "in einem muffigen, dunklen Ausstellungsraum" stattfand, dazu können sich nur blinde Voreingenommenheit und tendenziöse Schwarzmalerei versteigen. Saal, Vorhalle und angrenzendes Lesezimmer waren so gut ausgeleuchtet wie immer bei solchen Gelegenheiten.

Es ist mir bekannt, daß Genauigkeit noch nicht die ganze Wahrheit verbürgt. Aber sie bringt näher an sie heran als etwas im Empörungs- und Überzeugungsüberschwang Hingefetztes, das mit den Tatsachen und Personen willkürlich umspringt. Also bin ich als Angegriffene doch schon lieber genau und bemängle an Modick, Ortheil und Wagner, daß sie es nicht sind. Daß Unkenntnis sie hindert, eine Loggia von einem "verglasten Anbau" zu unterscheiden, ist symptomatisch. Und so unterscheiden sie denn auch nicht zwischen Haus und Bewohner. Schon Nicolas Born, mit dem wir gut standen, glaubte vom repräsentativen Salon, in dem wir mit ihm und Habermas saßen, auf unsere Partei bei der Bundestagswahl schließen zu dürfen und mußte sich von Habermas die Unzulässigkeit seines Kurzschlusses vorhalten lassen. Was bei ihm half, sonst hilft es nicht. Das "Herrenhaus", die "antiquierte Herrenhaus-Attitüde" bleibt an mir/uns kleben. Und um darauf noch einen Trumpf zu setzen, erfindet man hinzu, ich ließe mich in der Stadt gelegentlich auch contessa nennen. Natürlich nicht wahr. Aber wie sollten die Autoren wohl anders auch noch den Vorwurf der Hochstapelei anklingen lassen können? Oder den Verdacht der Veruntreuung öffentlicher Mittel erregen, würden sie nicht die Frage aufwerfen, wer denn nun wohl für die Kosten der Modenschau unserer Tochter aufgekommen ist. Anders ist ja das Fertigmachen nicht hinzubekommen. Um auch darauf einzugehen: Bezahlt haben wir das Mode-Spektakel. Das ist selbstverständlich. Was nicht so selbstverständlich ist, und damit komme ich auf den wahren Notstand der Villa Massimo, ist die Tatsache, daß ich für die fünf Sommerfestivals seit 1987 an gutem Geld über zwei Millionen Mark von italienischer Seite hereingeholt habe, statt für das Feuerwerk des Künstlerfestes 15 000 Mark aus dem Künstlerfonds abzuzweigen. Das Fest wurde von den Assicurazioni Generali gesponsert.

Der wahre Notstand der ausländischen Akademien in Rom, Villa Massimo eingeschlossen, ist folgender: Das klassische Konzept der selbstgenügsamen Abgeschlossenheit ist überholt und wird von ihren Künstlern wie von der Stadt nicht mehr unwidersprochen hingenommen. Beiden geht es um den Transfer der in ihnen erbrachten Leistungen in die Öffentlichkeit. Deshalb habe ich mich mit dem Festival di Villa Massimo in ein Unternehmen eingelassen, für das sie nach amtlicher Auffassung nicht unterhalten wird – sie soll, zugespitzt ausgedrückt, Kulturgüter produzieren, nicht präsentieren – und folglich auch kein Geld bekommt. Ohne die Unterstützung durch die deutsche Botschaft beim Quirinal, das Goethe-Institut und die massive Finanzierungshilfe der Stiftung Romaeuropa könnte die Villa Massimo sich gar nicht beteiligen. Die Franzosen, Engländer, Spanier, Ungarn, Russen und die Akademien anderer europäischer Staaten, die sich künftig engagieren werden, würden mit ihren Beiträgen sechs Wochen das römische Sommer-Festival Romaeuropa mit Eifer und Einsatz betreiben und prägen. Und wir Deutschen würden zuschauen, die Hände im Schoß oder in den Haaren, um sie zu raufen. Denn mit den 35 000 Mark, die der Villa Massimo für repräsentative Zwecke zugebilligt werden, sind wir nicht konkurrenzfähig.

Daß meine Schrittmacherdienste für einen flexibleren, zeitgemäßeren Gebrauch des Instruments Villa Massimo mir als Selbstherrlichkeit angekreidet werden, muß ich hinnehmen. Nicht nur bei den Leitern anderer Kulturinstitute in Rom, auch bei ehemaligen Stipendiaten, mit denen ich seinerzeit diskutierte und nun befreundet bin, denkt man darüber anders. Das bestätigen mir die vom Notstand-Artikel ausgelösten Briefe und Anrufe. Die Kraft, solche Ungerechtigkeiten zu ertragen, bedarf schon des Zuspruchs.