Der amerikanische Präsident hat das Katz-und-Maus-Spiel des Diktators in Bagdad satt

Von Fredy Gsteiger

Kairo, im September

Saddam Hussein nimmt schon wieder Geiseln. Gleich zweimal nacheinander hat er Anfang dieser Woche Experten der Vereinten Nationen mehrere Stunden festgehalten. Sie waren ihm zu neugierig, denn sie hatten wichtige Spuren zur Aufdeckung des irakischen Atomprogramms gefunden. Die Weltöffentlichkeit, angefangen beim amerikanischen Präsidenten, scheint nicht länger bereit, die Winkelzüge des Diktators zu dulden. George Bush warnt Saddam davor, sich erneut zu "verkalkulieren".

Der Zettel ist schon vergilbt. Kaum einer der wenigen westlichen Journalisten, die im Informationsministerium in Bagdad ein- und ausgehen, beachtet ihn noch. Und doch überführt sich das irakische Regime auf diesem Din-A4-Blatt in drei Hauptsätzen gleich selbst der Lüge.

Im ersten wird eine wortgewaltige Attacke gegen den "üblen, von blindem Haß getriebenen" amerikanischen Präsidenten George Bush geritten. Im zweiten heißt es scheinheilig, der Irak, "der als erster Staat für einen atomwaffenfreien Nahen Osten eingetreten ist", führe ausschließlich Nuklearversuche zu "friedlichen und wissenschaftlichen Zwecken" durch. Im dritten schließlich steht herausfordernd, natürlich habe Bagdad den Inspektoren der Vereinten Nationen nicht alles von vornherein offenbart; immerhin habe das Land seine Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit zu berücksichtigen. Geht es bei der Atomforschung nun um friedliche Ziele oder um die Landesverteidigung?

Schulmeisterlich verkündet Informationsminister Hummadi: "Jeder Laie weiß doch, daß angereichertes Uran noch längst keine Atombombe ergibt." Aber Handelsminister Saleh meinte trotzig noch vor wenigen Wochen: "Die Vereinten Nationen haben kein Recht, den Irak zur Zerstörung seiner Massenvernichtungswaffen zu zwingen."