Die Familie Kausche hat vergeblich auf die Rückgabe ihrer von den Nazis enteigneten Zeitung in Zwickau gehofft

Von Karl-Heinz Janßen

Dies ist die Geschichte eines Exzeßfalles. Es gab deren viele in der einstigen Sowjetzone vor 1949: Enteignungen auf Betreiben der deutschen Kommunisten sogar gegen den Willen der sowjetischen Besatzungsmacht. Aber auch sie dürfen – so das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes – nicht rückgängig gemacht werden. Nur ist dieser Fall exzessiver noch als die anderen. Und da es eine sehr deutsche Geschichte ist, soll hier nacherzählt werden, wie innerhalb eines halben Jahrhunderts einer Familie dreimal bitteres Unrecht widerfahren konnte.

Ort der Handlung ist die westsächsische Kreis- und Industriestadt Zwickau (mehr als 100 000 Einwohner). Dort erschien bis 1941 das Zwickauer Tageblatt, eine mittlere Heimatzeitung mit circa 40 000 Auflage (35 000 Abonnenten) und ausgestattet mit der nach Leipzig und Chemnitz größten und leistungsfähigsten Zeitungsdruckerei im westlichen Sachsenland. Seit fast achtzig Jahren war sie in Familienbesitz.

Am 10. Mai 1941 wurde dem Verleger Horst Kausche per Einschreiben, aber mit vorgefertigtem Brief, von der Reichspressekammer/Papierwirtschaftsstelle in Berlin folgende Verfügung zugestellt: "Aus kriegswirtschaftlichen Gründen hat der Präsident der Reichspressekammer uns angewiesen, Ihnen mit sofortiger Wirkung jeden weiteren Papierbezug für Ihre Zeitung ... zu untersagen ... Damit entfällt für Ihre Zeitung die Möglichkeit des Erscheinens ab 1. Juni 1941." Gleichlautende Briefe erhielten in jenen Tagen noch andere Zeitungsverlage im Deutschen Reich.

Zwar hatte Propagandaminister Goebbels schon bald nach dem 30. Januar 1933 die Pressefreiheit abgeschafft und den politischen Inhalt der Zeitungen gleichgeschaltet. Aber das genügte den Nazis nicht – sie wollten peu à peu alle privaten Zeitungsverlage in den Besitz oder die Kontrolle der Partei bringen.

Hitlers einstiger Feldwebel Max Amann – alter Kämpfer mit der Mitgliedsnummer 2 (Hitler hatte die Nummer 7), ein bulliger, skrupelloser, macht- und besitzgieriger Reichsleiter – war unumschränkter Herrscher eines Pressekonzerns, der in der europäischen Zeitungsgeschichte seinesgleichen sucht. Anfang 1933 gehörten den Nazis von den 4703 Zeitungen in Deutschland nur 120. Diese standen vor dem Bankrott. Also gingen die Nazis auf Raubzug. Erste Opfer wurden die Blätter und Druckereien der Arbeiterparteien und der Gewerkschaften. Dann wurde den Verlegern verboten, mehr als eine Zeitung zu betreiben oder sich an anderen Verlagen zu beteiligen. Nach und nach wurde, mit dem nötigen Nachdruck, eine Zeitung nach der anderen von der Partei aufgekauft.