Wien, 5. Hieb, 3. Stock, 2. Lieferung. Mann, war das eine lausige Vorstellung gestern abend. Und ich – nach ernstem Zerwürfnis mit dem Direktor und entsprechendem Gelübde – stocknüchtern mittendrin. Stocknüchtern und fiebrig. Fiebrig, weil die eine Hälfte meiner Doppelrolle von mir verlangt, daß ich einen Harnisch mit tief angesetztem Rückendekollete trage, ein sogenanntes Alu-Leiberl, welches eigentlich eine Schlachterschürze ist, und sonst nicht viel, und da wird es mitunter doch recht frisch. Herzlich froh bin ich deswegen über meinen Wikingerhelm, obwohl ich damit durch keine Tür passe und obwohl er mir viel zu eng ist, weshalb ich diesen thespischen Ausbruch mit einem Birnenschädel büßen werde.

Wir warten, daß es losgeht, und ich flüstere mit klappernden Zähnen: "Irgendwann passiert es. Irgendwann sage ich bei meiner Intro: ‚Ich bin das Ohr eines Mannes aus Connaught. Ich bin eine Harfensaite. Ich bin eine Taschenlampe. Ich bin sieben Zuspätgekommene.‘"

Dann das immer gleiche Ritual. Einer fragt: "Is scho finster?" Und einer sagt: "Des haaßt net finster. Des haaßt Black am Set."

Dann raus. Ich vergesse prompt den Satz mit dem Ohr und den Satz mit der Harfensaite, denn die habe ich ja beide bereits in der Garderobe gesagt, und irgendwie ist man ja doch Gewerkschafter.

Das Publikum fällt durch. Es besteht nicht mal die Klaussche Aalprobe. Ziemlich zu Anfang des Stückes heißt es: ",Mucksmäuschenstill!’ sage ich vica voce zu den Jungs, und wir robben weiter, ohne mehr Lärm zu machen als ein Aal in einem Faß voll Kutteln."

"Wenn da nicht gelacht wird", hat Klaus gesagt, "ziehen wir uns um und treffen uns im ‚Hirschen‘."

Ich stehe meinen zweiten Auftritt als Geharnischter glanz- und fehlerlos durch, dengele, mein Hl. Schwert hinter mir herziehend, von der Bühne...