Von Marie-Luise Hauch-Fleck

Noch im September 1988 machte Klaus Hummel keinen Hehl aus seiner Wertschätzung für die Gundlach & Sülter AG Neue Medien. Per Brief bestätigte der für die Verkabelung zuständige Unterabteilungsleiter im Bundespostministerium der Hannoveraner Firma seine "gute Meinung", die er von dem Unternehmen habe, und versicherte dem Vorstand, daß sich "nichts ... an der Entwicklung der weiteren Zusammenarbeit mit Ihrem Hause ändern wird".

Mit seinem Schreiben reagierte der Postler, der inzwischen zum Vorstandsmitglied der Deutschen Bundespost Telekom aufgestiegen ist, auf einen Artikel der ZEIT vom 2. September 1988, in dem massive Zweifel an dem Geschäftsgebaren und der Seriosität des Post-Partners im Kabelgeschäft angemeldet worden waren. Beflissen versicherte Hummel dem Unternehmen sein "Befremden" über diesen Artikel.

Was immer Hummel zu der Ergebenheitsadresse veranlaßt haben mag: Inzwischen hat der Bundesrechnungshof herausgefunden, daß die unverbrüchliche Treue der Post zu den Niedersachsen das Staatsunternehmen viele Millionen kostet.

Um die Verkabelung in Gang zu bringen, hatte die Deutsche Bundespost 1986 die TKS Telepost Kabel Servicegesellschaft gegründet. Deren Aufgabe sollte es sein, bundesweit gemeinsam mit privaten Unternehmen Regionale Kabelservicegesellschaften (RKS) zur Vermarktung von Kabelanschlüssen zu initiieren.

Bis Anfang 1989 hatte die TKS denn auch 21 RKS aus der Taufe gehoben. Doch schon zwölf Monate später befanden sich nach den Recherchen des Rechnungshofes von diesen Firmen "mehrere (mindestens acht) in akuten wirtschaftlichen Schwierigkeiten". Sie waren praktisch zahlungsunfähig. Um die Betriebe zu sanieren, seien voraussichtlich 82 Millionen Mark notwendig, erkannte die Post im März 1990. Die besonders gefährdeten RKS hatten eines gemeinsam: An allen waren die Neuen Medien Fonds (NMF) unter der Leitung der Gundlach & Sülter AG beteiligt.

Das Rekordtempo, mit dem diese RKS in die Pleite rasten, war nach Ansicht der Frankfurter Kontrolleure kein Zufall, sondern gleichsam programmiert. Neben zu optimistischen Anschlußprognosen sowie einer zu geringen Eigenkapitalausstattung hätten "insbesondere überhöhte Kapitalvermittlungsentgelte an einen Gesellschafter ... zum drohenden Konkurs von Gesellschaften wesentlich beigetragen". Der Empfänger der überhöhten Provisionen: die Gundlach & Sülter AG.