Seit vier Wochen bin ich ein Privilegierter. Seit vier Wochen hängt mein Computer am Bildschirmtextsystem der Post, und deshalb muß ich nie mehr Schlange stehen. Opern, Theateroder Konzertkarten reserviere ich mir jetzt über Btx. Geld überweise ich von zu Hause aus über Btx. Telephonnummern recherchiere ich im "Elektronischen Telephonbuch". Reisen, Tickets, Mietwagen und Hotels buche ich über Btx. Und eilige Post jage ich durch den Telex- oder TelefaxÜbergang des Btx Netzes. Soll die Post doch öffnen und schließen, wann sie will. Soll die Bank doch meinetwegen schon Freitagmittags dichtmachen. Ich brauche sie nicht mehr.

Dachte ich. Heute weiß ich: Ich brauche sie alle noch. Btx hat zwar viele Wege, aber die meisten führen zu Beate Uhse. Oder enden in Sackgassen. Und jetzt frage ich mich: Ist Btx ein Joint venture von Christian Schwarz Schilling und Beate Uhse? Aber der Reihe nach. Ich klinke mich also ins Btx System ein, um meinen Wochenendtrip nach Berlin zu planen und zu buchen, tippe daher das Stichwort "Reise# ein, und schon füllt sich mein Bildschirm mit den ersten 10 von insgesamt 153 Reiseveranstaltern. Ich wundere mich etwas, daß die Namen nicht in alphabetischer Reihenfolge erscheinen und keiner der Großen, wie abr, tui oder Neckermann, dabei ist. Und noch etwas mehr wundere ich mich über die drei Anbieter, die schon im Namen zu erkennen geben, nicht nur Reisen im Programm zu haben, sondern auch Damen. Aber wenigstens ist das dabei, was ich mir erhoffte: ein Anbieter namens "FPS Reisen Preisknüller". Die Knüller will ich sehen.

Statt der Preisknüller erscheint aber auf meinem Bildschirm eine Barbusige und heißt mich "willkommen im Club": Das Sexclub Team freut sich auf meinen Besuch und wünscht mir viel Vergnügen.

Versuch ichs mit dem nächsten, "Ahrens BahnBus Flug Reisen". Doch wen treffe ich da? Die Barbusige! Und wer räkelt sich beim "ITZ — Reisebüro München" auf meinem Bildschirm? Genau. Die Barbusige begrüßt mich auch beim vierten Anbieter, sie begrüßt mich beim fünften, sechsten, bis hinauf zum zehnten. Hinter jedem der zehn verschiedenen Namen verbirgt sich eine Postfachfirma namens Sextel GmbH aus Overath.

Da tröstet mich schon nicht mehr, daß ich es beim elften Anbieter wirklich mit einem Reisebüro zu tun bekomme, zumal es nur die Bretagne im Programm hat. Der zwölfte, "Günes Reisen", fährt nur in die Türkei. Das "DTS Reisebüro" lockt wieder ins Tele Puff.

Wie komme ich je nach Berlin? Ich tippe Berlin# ein. Vielleicht kann ich mir ein Hotel aussuchen, mich übers Kulturprogramm und die Berlinflüge informieren. Doch die ersten 10 der 273 Einträge werden von der Fachhochschule der DBF Berlin und drei Sexshops angeführt. Danich verstellen mir "Börschel Rohrfrei", "Walter Abbruch Schrott", die "Bäckerei Süleyman" und der "HGM Zeltverleih" den Weg zu den Theatern und Hotels der Stadt.

Ob das in den anderen Städten auch so ist? Ich tippe Düsseldorf# ein und muß über zwei Sexshops, die Hindsgaul GmbH und die THR Jet & Bett GmbH hinweglesen, bis ich zur Stadtverwaltung komme.