Nun ist der Streit zwischen Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling und seinem Manager Helmut Ricke, dem Chef der Telekom, entschieden. Hartnäckig hatte sich Ricke – mit Rückendeckung des Aufsichtsrates – gegen die Absicht seines obersten Dienstherren gewehrt, dem Großkunden Mannesmann stattliche Rabatte einräumen zu müssen. Nach langem Ringen ist Ricke jetzt dazu gezwungen.

Schwarz-Schilling gelang es nämlich, den aus Mitgliedern des Bundestages und Bundesrates bestehenden Infrastrukturrat zu überzeugen. Das Politiker-Gremium war die letzte Entscheidungsinstanz. Überzeugt soll die Mitglieder haben, daß die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft auf dem Spiel stehe. Um so mehr erstaunt, daß der Gebührennachlaß für andere Großkunden nicht gelten soll.

Pikant ist der Ratsbeschluß auch deshalb, weil Mannesmann nicht nur Kunde, sondern zugleich auch ein privater Rivale des staatlichen Fernmelderiesen im Geschäft mit dem Mobilfunk ist. Für den Betrieb des dafür erforderlichen Fernmeldenetzes muß der Chef der Mannesmann-Mobilfunktochter, Peter Mihatsch, von der Post Leitungen mieten, die er jetzt – auf Wunsch des Ministers – zur Hälfte des sonst üblichen Preises bekommt.

Die großzügige Geste, den Konkurrenten auf diese Weise zu fördern, reißt ein stattliches Loch in die Finanzen der Telekom. Wenn auch unbeabsichtigt, werden nun weitere Kunden aus der Wirtschaft niedrigere Tarife verlangen. Das könnte die Telekom bis zu zwei Milliarden Mark jährlich kosten.

Dabei fürchtet sie schon lange, daß ihr aufgrund der enormen Investitionen – unter anderem für den Ausbau des Fernmeldenetzes im Osten – schon bald das Geld ausgeht. Ricke hat deshalb bereits beim Finanzminister als Eigentümer wegen einer kräftigen Finanzspritze angefragt. Jetzt wird immer deutlicher, für wen der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden muß.

So wie es aussieht, muß der Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG, Edzard Reuter, seine Pläne zur Neuordnung der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie noch mal verschieben. Denn der lähmende Streit zwischen Daimler und den Familiengesellschaftern des Flugzeugbauers Dornier über die Zukunft des Unternehmens bricht wieder auf. Sah es in jüngerer Zeit so aus, als könnten sich Daimler und die Familie einvernehmlich darauf verständigen, daß das traditionsreiche Unternehmen in der Daimler-Luft- und Raumfahrttochtergesellschaft Dasa aufgeht, so regt sich dagegen nun erneuter Widerstand.

Wenn es nach der Rechtsanwältin Martine Dornier-Tiefenthaler geht, der Ehefrau von GmbH-Mitgesellschafter Conrado Dornier, kann Daimler die Firma nicht einfach – wie geplant und schon verkündet – von der Bildfläche verschwinden lassen und als einfachen Geschäftsbereich führen. Das widerspreche dem 1985 ausgehandelten Konsortialvertrag zwischen Daimler und der Familie, die noch 42 Prozent des Flugzeugunternehmens hält.