Es mag ungewöhnlich sein, so sagten die Richter des Oberlandesgerichts Hamm unlängst, daß eine junge Dame mit einem deutlich älteren Herrn noch am Abend des Kennenlernens zu einem Gasthof fährt, um dort gemeinsam zu übernachten. Noch ungewöhnlicher war es indessen, daß dieser ältere Herr am Morgen alleine aufwachte: Die junge Frau hatte das Weite gesucht mit seinem Reisegepäck, seinem Auto und seiner Armbanduhr. Die Romanze, die in der Düsseldorfer Altstadt begonnen hatte, endete deshalb durchaus prosaisch: mit einer Diebstahlsanzeige und als Fall für die Reisegepäckversicherung, die derartiges unter dem gänzlich unromantischen Stichwort "Beischlafdiebstahl" registriert.

Aber die Versicherung wollte nicht zahlen. Mit doppelsinniger Logik wandte sie ein, der Mann habe seinen Ersatzanspruch wegen grober Fahrlässigkeit verspielt, weil er die "im Verkehr erforderliche Sorgfalt" habe vermissen lassen.

Hatte er das wirklich? Aus dem kargen Text des Urteils ergibt sich immerhin, daß der Mann die Dame nicht in einem "Rotlichtviertel" kennengelernt hatte, beim Wein sich lang und breit von ihrem überaus bürgerlichen Beruf erzählen ließ und sich sogar ihren Personalausweis hatte zeigen lassen – fast ein bißchen zuviel der Sorgfalt zu Beginn einer Liebschaft.

Jedenfalls halten die Richter dieses Präludium dem Manne zugute: "Er mußte nicht damit rechnen", so heißt es in dem Urteil, "daß es sich bei der jungen Frau um eine Diebin handeln könnte." Also bekommt er von der Versicherung Schadenersatz für seine Morgengabe wider Willen.

Keinen Ersatz hingegen hätte der "deutlich ältere Herr" zu erwarten, falls nach dieser Erfahrung auch etwas von seinem Selbstbewußtsein abhanden gekommen sein sollte. R. G.