War was? Nachdem der Kanzler die kleine Kabinettsumbildung unter Dach und Fach gebracht hat, löst auch der Parteichef Kohl seine Probleme im Handumdrehen.

Kaum haben Lothar de Maiziere als CDU-Vize und Vorsitzender der Programmkommission sowie Klaus Reichenbach als sächsischer Parteichef und Mitglied des Bundespräsidiums auf ihre Ämter, um das mindeste zu sagen, verzichtet, zaubert der große Zampano die Nachfolger aus dem Hut.

Fast könnte man glauben, daß es sich nicht um Handumdrehen, sondern um eine von langer Hand geplante Aktion handelt. Angela Merkel (37), nun noch mehr als bisher Senkrechtstarterin aus der alten DDR, künftig auf dem Vizeposten der CDU, der parlamentarische Staatssekretär im Justizministerium, Reinhard Göhner (38), an der Spitze der Programmkommission und die Thüringer Kultusministerin Christine Lieberknecht (33) fortan im Präsidium – die Jüngeren und die Frauen in der ganzen Partei und die Reformer in der Ost-CDU können sich freuen.

Freilich, was wie ein goldener Schnitt wirkt, verheißt bei weitem noch nicht das Ende aller Sorgen. Daß in der Union wieder ernste Programmarbeit nötig ist und daß die Partei mit Inhalten bei den Jüngeren wie bei den Frauen langfristig um neues Vertrauen werben muß, bestreiten die Nachdenklichen nicht. Und ebensowenig machen frische Gesichter aus der alten DDR-CDU schon eine andere Partei. Helmut Kohls personeller Dreisprung ist erst ein Anfang, mehr nicht.

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Wo schwere Defizite stecken, hat sich letzte Woche auch im Bundestag gezeigt. So beklagte Alfred Biehle, der Wehrbeauftragte des Parlaments, in der Debatte über seinen Jahresbericht, der Armee fehle nach dem Abbau der Konfrontation in Europa die "sicherheitspolitische Marschrichtungszahl" für ihre Zukunft. Doch das Echo war dürftig. Nur Vera Wollenberger vom Bündnis 90/Grüne setzte mit ihrem Plädoyer für eine freiwillige Sicherheitstruppe zur Abwehr ökologischer und anderer Bedrohungen einen eigenwilligen Akzent.

Niemand bestreitet, daß die Bundeswehr vor der berühmten Sinnfrage steht. Aber wie Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg wollten auch die Parlamentarier, anstatt die Chance zu Vorgaben zu nutzen, über Antworten noch nicht reden. Oder sie gebrauchten Formeln von eisiger Abstraktion, wie der CDU-Abgeordnete Paul Breuer. Für ihn beruhen die Prinzipien der neuen Sicherheitspolitik "auf der politischen und militärischen Fähigkeit zum Krisenmanagement und auf flexibel, multinational und integrativ strukturierten Streitkräften". Und er fügte hinzu: "Wir sind gefordert, den Weg der Bundeswehr in diese Zukunft politisch zu gestalten." In der Tat.