Reisen bildet. Reisen verbindet. Reisen erfüllt Träume. Reisen ist eine der schönsten Arten, die Freizeit zu verbringen. Reisen haben häufig nur einen Nachteil: Sie kosten meistens eine Stange Geld und verschlingen einen guten Teil unseres Ersparten.

Schon immer haben wir uns gewünscht, einen Weg zu finden, mit dem Urlaub unseren Geldbeutel nicht zu sehr zu belasten, damit unser Konto nach dem Besuch an fernen Gestaden nicht wie üblich leergefegt ist.

Daß der Traum von derart paradiesischen Zuständen jetzt Wirklichkeit werden kann, verdanken zumindest gutbetuchte Zeitgenossen jenem findigen Unternehmer, der die neuen Nöte bundesdeutscher Sparer treffsicher erkannte. Weil Bundesfinanzminister Theo Waigel nach einem Beschluß der Karlsruher Verfassungsrichter von Anfang 1993 an die Zinseinkommen deutscher Sparer erneut besteuern soll, wurde ein pfiffiger Reiseexperte aktiv.

Er gründete den Spezialveranstalter "Steuerparadiesreisen International GmbH". Denjenigen, die immer nach neuen Möglichkeiten suchen, ihre Moneten vor dem Zugriff des Fiskus zu verstecken, offeriert er in Zeiten, in denen Abschreibungsmodelle aus der Mode gekommen sind, pauschal organisierte Finanzberatung.

Reisen in Steueroasen wie Madeira oder Malta, Gibraltar oder Singapur sollen – so verspricht das Informationsblatt – für "Überblick und Weitsicht" sorgen, wie die neue Abgabe am besten zu umgehen ist.

Rechtsanwälten, Steuer- und Investmentberatern, Wirtschaftsprüfern, mittelständischen Unternehmern sowie nicht zuletzt vermögenden Privatleuten bietet Steuerparadiesreisen am Zielort Seminare an, die "Chancen und Handlungsspielräume" der Finanzoasen offenlegen, die "Bedarfsstruktur des Teilnehmers" ermitteln und letztlich "konkrete Investitionsvorschläge" anbieten.

Eine "teilweise unüberlegte Kapitalflucht ins Ausland", wie nach der kurzzeitigen Einführung der Quellensteuer vor einigen Jahren, könne dank des fachmännischen Rats in Zukunft vermieden werden.