Von Björn Engholm

Politische und wirtschaftliche Stimmungen wechseln rasch. Hatte in der ersten Hälfte der achtziger Jahre noch das Gespenst der Eurosklerose Angst und Schrecken verbreitet, gewannen die Europäer bis zur Wende zu den neunziger Jahren neues Selbstbewußtsein. Von der Renaissance eines Kontinents war die Rede. Aber schon wieder werden wir aus unseren Träumen geweckt: Ist Europa im Wettkampf der technologischen Supermächte schon k.o.? Verdeckt der Jubel über Binnenmarkt und Osteuropas Öffnung schwerwiegende Schwächen in den technologischen Schlüsselbereichen?

"Nippon greift an", warnt die Wirtschaftswoche und beschwört das drohende "Ende der europäischen Informatik- und Elektronikbranche". Forschungsinstitute wie das amerikanische MIT oder die Berater von McKinsey prognostizierten der Automobilindustrie schwere Zeiten, vor allem wegen der Überlegenheit Japans bei modernen Produktionstechnologien.

I.

Auch Konrad Seitz, Diplomat und nach einigen Jahren schöpferischer Pause in Indien erneut Planungschef im Auswärtigen Amt, warnt nachdrücklich: "Die neuen ‚Kriege‘ sind Handels- und Technologiekriege. Die neuen Supermächte des 21. Jahrhunderts sind die technologischen Supermächte." In seinem Buch "Die japanisch-amerikanische Herausforderung" entwickelt er ein alarmierendes Szenario. Ausgangspunkt ist die Feststellung, daß wir zur Zeit eine dritte industrielle Revolution erleben, vorangetrieben von fünf neuen Schlüsseltechnologien, der Informationstechnik, der neuen Bio- und Werkstofftechnik sowie der Energie- und Raumfahrttechnik.

Entscheidende Bedeutung kommt der Informationstechnik zu. Die Mikroelektronik – die Produktion integrierter Schaltkreise – ist die Triebfeder des Informationszeitalters. Der Chip ist zum Rohstoff geworden, von dem die Funktionsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften abhängt. Wer über diesen Rohstoff verfügt, entscheidet maßgeblich über die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Staaten. Länder, die mit dem raschen Tempo der technischen Entwicklung in der Mikroelektronik nicht mithalten können, laufen Gefahr, in eine technologische Abhängigkeit zu den Chip-Produzenten zu geraten, die eine wirtschaftliche und möglicherweise auch eine politische Abhängigkeit nach sich ziehen könnte.

Die japanische Industrie hat dies früh erkannt. Sie zog als erste die Konsequenzen aus der Erkenntnis, daß die neue Basistechnologie nicht nur eine Schlüsselrolle für die künftige industrielle Entwicklung schlechthin besitzt, sondern auch noch einhergeht mit einer bis dato unbekannten Globalisierung der Märkte. Sie folgte dem Motto: Langfristig überlebt nur derjenige, der auf den Zukunftsmärkten der Schnellste ist und sich frühzeitig auf den Weltmarkt hin orientiert.