In der deutschen Botschaft in Budapest erfuhren die beiden allerdings, daß inzwischen eine neue Verordnung erlassen worden sei. Sie besagt, daß zwischen Antragstellung und Erteilung des Visums zwei Wochen zu liegen hätten. Vater und Sohn schilderten den Beamten ihre Situation, baten um Gnade. Doch die verwiesen nur auf die neue Verordnung, gegen die zu verstoßen ihnen leider unmöglich sei.

J.U. und sein Sohn beschlossen, nach Rumänien, nach Timisoara, zum deutschen Konsulat zu fahren. Nach Stunden gelang es ihnen, sich an der Schlange vorbeizumogeln und ihr Anliegen vorzutragen. Nun teilte ihnen der zuständige Konsulatsbeamte mit, eine Aushändigung des Visums sei nach frühestens drei Tagen möglich. Dazu müßten sie sich dann aber ganz hinten in der Schlange anstellen. Verwandte ersten Grades, erfuhren sie, können sich ihr Visum nach drei Tagen abholen. Verwandte zweiten Grades und Freunde dürfen erst nach zwei Wochen wiederkommen.

Der Urlaub des Sohnes war vorüber. Er mußte wieder nach Deutschland. Sein Vater blieb zurück in Rumänien. Mit Hilfe von Verwandten und Freunden schlug sich der alte Mann weiter durchs Reisefreiheits-Verordnungsgestrüpp. Geduld und Zähigkeit hatte er ja in den langen Jahrzehnten der Unfreiheit gelernt. Ende August traf er endlich bei seinem Sohn ein.