Deutsche Reisebüros etablieren sich immer stärker im Kartenvorverkauf. Der Weg des Kunden zur Eintrittskarte wird kürzer.

Jeder kennt das Problem: Das begehrte Ticket gibt es nur in der Vorverkaufsstelle im Stadtzentrum. Der Konzert- oder Theaterbesuch scheitert letztendlich an weiten Wegen zum Kauf der Eintrittskarten. Das wird sich bald ändern. Die Anbieter von Kultur- und Sportveranstaltungen haben mit dem Aufbau ausgedehnter Vertriebsnetze begonnen. Das Reisebüro spielt dabei eine zentrale Rolle. Über 6000 Reiseagenturen verfügen über die benötigte Technik und garantieren damit kurze Wege.

Nicht von ungefähr spielt das elektronische Reisevertriebssystem "Start" beim Aufbau des Vorverkaufsnetzes eine zentrale Rolle. Start, ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Bundesbahn, der Lufthansa und des Reiseveranstalters TUI, hat den Verkauf von Reisen automatisiert. Jetzt forciert die Frankfurter Firma die technische Entwicklung im Eintrittskartenverkauf. Seit fünf Jahren schon bietet Start über die Reiseagenturen Eintrittskarten an, bislang allerdings nur zugeteilte Kontingente für einige hundert Veranstaltungen. Den großen Schub und ein vervielfachtes Angebot wird nun die -Vernetzung der Veranstaltercomputer und der Einsatz einer neuen Software bringen.

Auch bei den Konzert-, Theater- und Sportveranstaltern hat ein Strukturwandel eingesetzt, den die Reisebranche schon hinter sich hat: Elektronische Vertriebssysteme sollen das Handwerkszeug für einen besseren Eintrittskartenverkauf liefern, Datennetzwerke die Tickets landesweit verfügbar machen.

Computersysteme machen es möglich: Der Kunde hat am Bildschirm in der Vorverkaufsstelle Einblick auf das aktuell verfügbare Kartenangebot. Der Saalplan zeigt, welche Plätze noch frei sind. Das ermöglicht den Veranstaltern einen gezielten Verkauf bis auf den letzten Platz. Die Eintrittskarte erhält der Käufer schließlich frisch aus dem Drucker – ausgestellt auf einem Standarddokument.

Im vergangenen Jahr buchten 400 000 Kunden ihr Ticket über das Start-System. In diesem Jahr werden es 600 000 sein. Doch schon 1992 soll der Kartenverkauf über den Computer in die Millionen gehen. So läßt sich derzeit die Stadt Frankfurt ein einheitliches Vertriebssystem für alle städtischen Veranstaltungen aufbauen. Die Tickets für Theater, Oper, Rockkonzert oder Sport in Frankfurt – ein millionenfaches Kartenpotential – werden dann auch in den meisten deutschen Reisebüros zu haben sein. Andere Großstädte gehen ähnliche Wege. Selbst Fußballvereine der ersten Bundesliga denken mittlerweile darüber nach, ob sie ihre Eintrittskarten künftig im Reisebüro an den Fan bringen.

Markus Bäuchle