Von Christel Hanewinckel

Was heißt "Neuregelung" des Paragraphen 218 eigentlich? Bedeutet sie eine Verschärfung des Strafrechtes für Frauen, die aus einer Konfliktsituation heraus einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollen? Oder heißt "Neuregelung", daß die Gesellschaft, in der wir leben, sich nach ihrem Verhältnis zu Kindern, Frauen und Familie befragen lassen muß?

Bei Wohnungsannoncen fällt mir auf, daß der kleine Zusatz – möglichst ohne Kinder und Haustiere – sehr oft zu lesen ist.

Wieso ist die Steuerlast von Familien höher als bei Paaren ohne Kinder?

Und wieso passiert es Frauen, daß sie sich bei der Arbeitssuche fragen lassen müssen, ob sie schwanger sind oder die Absicht haben, in naher Zukunft Kinder zu bekommen?

Ich habe mich in meinem Wahlkreis in Halle mit jungen Frauen, Mädchen und Lehrerinnen unterhalten. Die jungen Mädchen antworten auf die Frage, was sie von der Diskussion um den Paragraphen 218 halten, daß die Erwachsenen mit dem Leben überhaupt unverantwortlich umgehen. Sie haben das Gefühl, daß denen das Leben nichts mehr wert ist. Sie wollen verantwortungsbewußt sein, deshalb sind sie gegen Abtreibung. Aber das funktioniert ihrer Meinung nach nur, wenn:

1. Gesellschaft und Schule nicht mehr so verklemmt sind und für Aufklärung und Offenheit in der Sexualität einstehen;