Die Mehrzahl der Kreditinstitute scheint weiterhin der Meinung zu sein, daß sich kurzfristig sowohl bei den deutschen Aktien als auch bei den festverzinslichen Papieren nicht viel ändern wird. Mittel- und langfristig überwiegt indessen der Optimismus, gestützt auf den sich in den neuen Bundesländern abzeichnenden Aufschwung sowie auf eine erhoffte allgemeine Belebung der Konjunktur in den westlichen Industrieländern.

Angesichts dieser Lagebeurteilung ist es nicht verwunderlich, wenn sich die Aktienkurse immer noch seitwärts bewegen – und dies bei erschreckend kleinen Umsätzen. Bewegung kommt allenfalls ins Geschäft, wenn Kaufaufträge aus London eintreffen, wie zu Beginn dieser Woche bei einigen Versorgungswerten.

Erstaunlich ist andererseits, mit welcher Gelassenheit die sogenannten "schlechten" Nachrichten hingenommen werden. Zwar litt der Siemens-Kurs zeitweise unter den Meldungen von "Milliardenverlusten" bei Siemens-Nixdorf, von Fehlbeträgen im Halbleiterbereich und bei den überseeischen Töchtern. Aber ins Rutschen kam die Siemens-Notiz deshalb nicht, zumal das Unternehmen an der Prognose festhält, den Konzernüberschuß mindestens halten zu können.

Die dauernde Zurückhaltung gegenüber Bankaktien wird auch mit markttechnischen Gesichtspunkten begründet. Belastend wirkt, daß gegenwärtig die Commerzbank mit ihrem Angebot zum Bezug von Optionsgenußscheinen nominell 500 Millionen Mark absaugt und daß die Bayerische Vereinsbank mit einer Kapitalerhöhung von 523 Millionen Mark folgen wird. In Zeiten, in denen die Anleger bestrebt sind, ihre Liquidität zu schonen, bleibt dies nicht ohne Folgen für die Kurse.

Erschreckend ist, daß der Kurs der Aachener und Münchener Lebensversicherung (AML) schon auf unter 1300 Mark gesunken ist. Vor wenigen Wochen waren diese Aktien zum Preis von 1600 Mark öffentlich angeboten worden. Die Zeichner haben schon rund neunzehn Prozent ihres Einsatzes verloren. Da können sich die Zeichner der Volksfürsorge-Aktien glücklicher schätzen. Sie büßten bisher "nur" etwa 12,5 Prozent ein.

Locker sitzt den Anlegern das Geld immer dann, wenn Sonderangebote am Markt erscheinen, wie jüngst eine Südafrika-Anleihe. Sie wurde mit einer Rendite von 10,5 Prozent ausgestattet bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Die Nachfrage war so groß, daß der Anleihebetrag um 100 auf 400 Millionen Mark aufgestockt wurde. Käufer waren in erster Linie die privaten Bankkunden. K. W.