Das neue Management will den Staatskonzern radikal umbauen

Von Gunhild Lütge

An derart starken Tobak mußte sich Klaus Zumwinkel, seit Januar 1990 Chef des Gelben Riesen, erst gewöhnen: "Die Bürgerpost, bereits durch die sogenannte Postreform à la Schwarz-Schilling stark gefährdet, wird jetzt vom eigenen Vorstand regelrecht zur Pannenpost herabgewirtschaftet", tönte der für seine drastischen Worte bekannte Vorsitzende der Postgewerkschaft, Kurt van Haaren, Ende Juli. Der eher leise Zumwinkel ließ noch am selben Tag seinen eloquenten Unternehmenssprecher, Gert Schukies, auf nicht minder kräftige Weise reagieren: Die gravierenden Angriffe seien eine intellektuell und substantiell besonders billige Variante des jährlichen Bonner Sommerloch-Theaters.

Kein Zweifel: Die Stimmung zwischen dem neuen Management und der machtbewußten Gewerkschaft ist nachhaltig gestört. Anders als in früheren Zeiten, als die Bundespost noch nicht in Postbank, Telekom und Postdienst dreigeteilt war, muß die Gewerkschaft nun um ihren traditionell starken Einfluß auf die jetzt eigenständigen Unternehmen kämpfen.

Als Chef des Postdienstes ist Klaus Zumwinkel mit seinen Umbauplänen zum ganz besonderen Gegenspieler geworden. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des großen Versandhauses Quelle hat sich vorgenommen, den mit dem Image einer verstaubten Bürokratie behafteten Staatskonzern – mit oder auch ohne Privatisierung – von Grund auf umzukrempeln. Und das verlangt nach Opfern.

Befürchtet wird eine rigorose Rationalisierungsstrategie, die nicht nur einen massiven Stellenabbau, sondern auch den Rückzug aus Service-Leistungen für den einfachen Bürger bedeuten könnte. Die Gewerkschafter argwöhnen, daß sich die neuen Manager ihrer Aufgabe nicht voll bewußt seien: "Sie verwechseln offensichtlich eine flächendeckende Postversorgung mit einer Ausrichtung der Unternehmenspolitik auf Großkunden", kritisiert van Haaren.

Allerdings: Eine echte Bürgerpost ist das Unternehmen – mangels Kunden aus diesem Kreis – ohnehin längst nicht mehr. Rund achtzig Prozent des Geschäfts bestreitet es mit geschäftlichen Briefen und Paketen. Über dreizehn Milliarden Schriftstücke sowie 545 Millionen Päckchen und Pakete wurden im vergangenen Jahr verteilt. Täglich schleppten die Briefträger im Schnitt außerdem noch tausend Tonnen an Zeitungen und Zeitschriften quer durch die Republik.