Endlich ist sie da: die süße Meldung zum Tag der deutschen Einheit – die Einheitstorte. Wir stellen Ihnen die "Ländertorte de luxe" vor. Die Symbole der Marzipandecke zeigen je ein Motiv aus den 16 Bundesländern. Wer will, kann als i-Punkt das Brandenburger Tor in die Mitte setzen... Drei-Farben-Füllung: Zunächst die dunkle Creme auf die Mitte des unteren Bodens spritzen. Dann rote und zuletzt gelbe Creme kreisförmig auf den Boden spritzen. Motiv Brandenburger Tor zweimal auf Backpapier aufspritzen. Mit Vollmilch-Kuvertüre Zwischenräume des Tors ausspritzen. Mit dem Rest eine Gitterplatte (16 cm) aufspritzen. Feste Torhälften zusammensetzen, mit Kuvertüre auf dem Rost befestigen. Marzipanstücke auf die Torte, Marzipanplatte in die Mitte legen. Gitterplatte mit dem Tor draufsetzen.

Aus der "Illustrierten Wochen-Zeitung" vom 20. 9.

Dringend gesucht: Denkmalpfleger

Schon muß ein ostdeutscher Denkmalpfleger seine Augen überall haben. Denn, nicht wahr: die Investoren brummen vor Ungeduld, die Stadtplaner planen, die Bauarbeiter fangen bereits an, in die Hände zu spucken. Und schon wird abgerissen, was Restaurierung verdiente. Längst haben die Konservatoren mehr zu tun, als sie schaffen können. Viele neue Stellen sind zu besetzen. Doch im Gegensatz zum Dresdner Oberbürgermeister etwa, der die Gunst genießt, "zur Förderung von Investitionen für Dresden" in großen Zeitungsannoncen nach kompetenten Leuten zu suchen, muß sich sein Denkmalschutzamt mit dem städtischen Amtsblatt begnügen. Deshalb sei es hier laut ausgerufen: So wie Dresden händeringend nach Denkmalpflegern, Architekten, Kunst- und Bauhistorikern sowie Juristen sucht – so auch Pirna, Meißen, Zittau, Görlitz und viele andere ostdeutsche Städte. Auf, Leute – welche Chancen!

Wyter so, "WoZ"!

"Die deutsche Presse", sagen wir gerne, großdeutsch wie wir nun mal sind. Doch das geht nicht! Die rührenden auslandsdeutschen Blättchen in Argentinien und Kasachstan und Südtirol und Wien – nun ja, Gott mit ihnen! Aber die deutschsprachige Schweizer Presse – das ist was obereigenes. Da schaut man hin, da schaut man hoch, aus der deutschen Ebene, da weht uns was herab: Neue Zürcher und Weltwoche und Basler Zeitung oder eine Zeitschrift wie du – da zieht Geßler seinen Hut. Und tiefer noch, seit es die WochenZeitung gibt, die WoZ. Zehn Jahre werden jetzt gefeiert, zehn Jahre Wühlarbeit, Alpenverleumdung, Bankgeheimnisbruch, Fichenverrat. Links-alternativ hieß das in den achtziger Jahren noch. Und dabei ein Blatt, so ganz und gar aus Schweiz gemacht: tell-radikal, grummelnd wie Gottfried Keller, (zu selten!) auch mit ein wenig Walserscher Ironie. Selbstverwaltet werkelt man am Zürichsee dahin, und immer umfangreicher, immer besser ist das Blatt geworden. In einem dicken Buch haben zwei der Kollektivisten, Jürgen Fischer und Patrik Landolt, jetzt die schönsten Reportagen und Geschichten kollektiert ("Kamele auf dem Matterhorn", rotpunktverlag, Zürich): von Al Imfeid und Isolde Schaad, Lothar Baier und Eduardo Galeano. Und die Paten des Blattes sind natürlich auch dabei: Max Frisch und Laure Wyss und Niklaus Meienberg. 182 Fränkli kostet das Jahresabo – den Deutschen sei’s empfohlen; denn von oben, von den Bergen, sieht man manches klarer. Glückwunsch, WoZ!