Die eingangs geschilderte Erschießung von Deserteuren in Waldkirch ist nachzulesen in Wolfram Wette: Politik im Elztal. Ein historisches Lesebuch (Waldkircher Verlag, Waldkirch 1990; 265 S., 19,80 DM). – Im Zusammenhang mit der Kasseler Initiative entstand Jörg Kammler: Ich habe die Metzelei satt und laufe über... Kasseler Soldaten zwischen Verweigerung und Widerstand (1939-1945) (Hesse Verlag, Fuldabrück 1985; 270 S., 19,80 DM). Diese leider viel zu wenig beachtete Pionierstudie geht den Schicksalen von über hundert Soldaten aus dem Raum Kassel nach, die sich im Zweiten Weltkrieg widersetzten. – Norbert Haase: Deutsche Deserteure (Rotbuch Verlag, Berlin 1987; 126 S., 14,– DM). Aus einer wissenschaftlichen Hausarbeit hervorgegangen, kombiniert dieser schmale, aber gewichtige Band die Methode der oral history mit einer Auswertung der Gerichtsakten der Wehrmachtskommandantur Berlin.

Manfred Messerschmidt/Fritz Wüllner: Die Wehrmachtsjustiz im Dienste des Nationalsozialismus. Zerstörung einer Legende (Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1987; 365 S., 44,-DM). Die erste gründliche Darstellung der Militärjustiz im "Dritten Reich", die das bis dahin vorherrschende, von Otto Schweling und Erich Schwinge geprägte apologetische Bild nachhaltig erschütterte. Zum neuesten Buch Wüllners siehe die Rezension auf Seite 47. Die Karriere Schwinges zeichnet präzis nach Detlef Garbe: In jedem Einzelfall... bis zur Todesstrafe. Der Militärstrafrechtler Erich Schwinge. Ein deutsches Juristenleben (Volksblatt Verlag, Köln 1989; 168 S., 18,– DM), eine Studie, die im Kontext der Arbeiten der Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts entstanden ist.

Große Verdienste um die Geschichtsschreibung der Desertion im Zweiten Weltkrieg hat sich vor allem der Bremer Temmen Verlag erworben. Bislang sind drei Bände erschienen: Neben den Erinnerungen des Deserteurs Hans Frese: Bremsklötze am Siegeswagen der Nation (Edition Temmen, Bremen 1989; 204 S., 19,80 DM) ein von Fietje Ausländer herausgegebener Sammelband: Verräter oder Vorbilder? Deserteure und ungehorsame Soldaten im Nationalsozialismus (Edition Temmen, Bremen 1990; 202 S., 19,80 DM) und die Regionalstudie von Günter Fahle: Verweigern-Weglaufen-Zersetzen. Deutsche Militärjustiz und ungehorsame Soldaten. Das Beispiel Ems-Jade (Edition Temmen, Bre-

Geradezu zum Kultbuch der Denkalsinitiativen avanciert ist in den letzten Jehren Alfred Anderschs autobiographischer Bericht: Die Kirschen der Freiheit (Diogenes Verlag, Zürich 1971; 130 S., 6,80 DM). In mancher Hinsicht damit verwandt sind Otl Aichers Erinnerungen: Innenseiten des Kriegs (S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1985; 220 S., 28,– DM). In der Konsequenz am radikalsten wird das "Prinzip Desertion" formuliert von Gerhard Zwerenz: Soldaten sind Mörder. Die Deutschen und der Krieg (Knesebeck & Schuler, München 1988; 430 S., 39,80 DM). – Nach Interviewaufzeichnungen zusammengestellt hat Antje Dertinger den Lebensbericht des Frankfurter Sozialdemokraten Ludwig Gehm: Der treue Partisan. Ein deutscher Lebenslauf (Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 1989; 192 S., 16,80 DM). – Die Konturen der aktuellen öffentlichen Debatte um die Deserteure und die Frage der Entschädigung erschließen sich in einem Themenheft der Zeitschrift Geschichtswerkstatt (H. 22, Ergebnisse Verlag, Hamburg 1990; 98 S., 12,– DM).