Mackenrode

Jetzt hat’s ihn erwischt. Karl Polacek wird ausgewiesen. "Ausländer raus", hat der Neonaziführer jahrelang getönt. Jetzt muß er selbst sein geliebtes Deutschland verlassen. Die Ausländerbehörde des Landkreises Göttingen hat den 56 Jahre alten Österreicher aufgefordert, binnen eines Monats das Land zu verlassen.

Die Kampfbegriffe, für die sich der niedersächsische Landesvorsitzende der rechtsradikalen Freiheitlichen Arbeiterpartei Deutschlands (FAP) seit Jahren stark gemacht hat, begründen die Ausweisungsverfügung: Sicherheit und Ordnung. Sie seien, so heißt es, durch Karl Polacek bedroht. Er habe, um seine Vorstellung von Ordnung durchzusetzen, nicht nur Gewalt gepredigt, sondern auch ausgeübt.

Den Ausschlag für den Ausweisungsbeschluß hat ein Gerichtsurteil gegeben. Polacek wurde vom Amtsgericht Duderstadt für schuldig befunden, mit einer Axt auf eine Frau eingeschlagen zu haben, die an einer Demonstration gegen die Umtriebe seiner militanten Gesinnungsgenossen in Südniedersachsen teilgenommen hatte. Denn schon seit fünf Jahren betreibt der ergraute Fanatiker in Mackenrode ein Schulungszentrum für Rechtsradikale, die sich für den "Ernstfall" rüsten. Bewaffnet mit Beilen und Sensen, ein braunes Lied auf den Lippen, marschierten die zumeist kahlköpfigen Jugendlichen in Bomberjacke und Kampfstiefeln jahrelang durch den Ort und versetzten die Anwohner in Angst und Schrecken. Für sie unfaßbar, daß die martialischen Aufzüge so lange toleriert wurden.

Ob es damit nun ein Ende hat, ist noch fraglich. Denn wenn Polacek gehen ’muß, will er das Haus, das er angeblich von seiner geschiedenen deutschen Frau gekauft hat, der FAP weiterhin als "Ausbildungszentrum" zur Verfügung stellen. Daß er gehen muß, kann sich der zu Selbstdarstellung neigende Hitler-Verehrer allerdings noch nicht vorstellen. "Darüber lasse ich mir keine grauen Haare wachsen", sagt er jedem Anrufer. Sein Anwalt habe die Sache im Griff und werde Einspruch einlegen. Abgesehen davon, daß er das gegen ihn verhängte Urteil als Versuch betrachtet, ihn kaltzustellen, ist die Ausweisung für ihn sowieso ein Unding. "Ich bin deutscher Reichsbürger", beteuert Polacek. "Österreich ist immer noch Teil des Deutschen Reiches."

Innenminister Gerhard Glogowski hat die Ausweisung zu seiner ganz persönlichen Sache gemacht. "Wir hatten schon mal einen Österreicher zuviel", ließ er wissen. Heinrich Thies