Drei Kühe hüten. Wie vergeht so der Tag? Das Geräusch des Grasrupfens, verbunden mit leisem Schnaufen – brave Tiere, wenn die ganze Welt so wäre, es gäbe keine Kriege mehr.
Das sieht man anders als Kind. "Ich führte", erinnert sich die Hirtin der drei Kühe später, 1762, "in meiner rechten Hand einen Stab, und indem ich mit mir selbst redete, war ich das Haupt einer Armee! Alle Disteln waren meine Feinde, und mit kriegerischem Muth hieb ich allen die Köpfe ab." Martialische Freuden der Einsamkeit – das liest sich im "Anton Reiser" nicht anders. Und dann, hier wie dort...: "saß ich an einem Herbsttag am Rande eines kleinen Flusses und ward jenseits des Wassers einen Knaben gewahr, welchen einige Hirtenkinder umgeben hatten. Er war ihr Vorleser, und ich flog hin, um die Zahl seiner Zuhörer zu vermehren. Welch ein Glück für mich! Ich nahm an den folgenden Tagen einen Umweg, trieb meine Rinder durch den Fluß, wo er am seichtesten war, und fand meine lang entbehrte Wonne, die Bücher wieder. Da waren Robinson, irrende Ritter, Gespräche im Reiche der Toten, o, da waren neue Welten für mich!"