Von Hans Harald Bräutigam

Um eine kleine weiße Pille ist ein trickreiches und listiges Verwirrspiel entbrannt, an dem sich Wissenschaftler, Pharmahersteller und seit neuestem auch Politiker beteiligen. Die Rede ist von dem kompliziert wirkenden Hormonpräparat Mifepriston, mit dem, neben der Behandlung gynäkologischer Erkrankungen, auch die Ablösung einer bis zu acht Wochen alten Schwangerschaft aus der Gebärmutter möglich ist.

Die Pille ist dem außergewöhnlichen Forschungserfolg von Etienne-Emile Baulieu vom Nationalen Institut für Gesundheit und Medizinische Forschung (INSERM) in Paris zu verdanken. Sie heißt RU 486, weil sie in den Laboratorien der französischen Hoechst-Tochter Roussel-Uclaf in Paris hergestellt wird.