DIE ZEIT

Verantwortung

Die Tage der Moskauer Gastfreundschaft für Erich Honecker sind offenbar gezählt. Boris Jelzins Russische Republik hat beschlossen, ihn abzuschieben – nach Deutschland.

Protest

er wissen will, warum die politischen Parteien immer mehr an Ansehen verlieren, braucht nur nach Hamburg zu schauen. Der erste Versuch der Bürgerschaft, sich schöne Diäten und eine fulminante Altersversorgung zu spendieren, und sei es auf dem Umweg über eine überfallartige Verfassungsänderung, wurde zwar abgedrängt.

Die letzte Chance

Auch das letzte Gold von Perestrojka-City ist futsch. Die Banditen der KPdSU haben es noch vor Sonnenuntergang aus der Stadt geschafft.

Rückkehr in die Freiheit

Ob die gegenwärtige Entspannung im Nahen Osten eine dauerhafte Wende zum Besseren bewirken wird, ist längst noch nicht abzusehen.

Zeitspiegel

Die Moskauer Prawda, weiterhin Hausblatt des kommunistischen Fundamentalismus, ließ zu Beginn dieser Woche einen der letzten Heiligen zu Wort kommen.

Klamauk in Manila: Heimflug des Eisernen Schmetterlings

Es war ein heiterer, warmer Mai-Sonntag auf Hawaii – für Imelda Marcos der erste Muttertag im Exil. Tränen des Schmerzes und der Rührung stiegen ihr in die Augen, als sie in ihrem schlichten grünen Kleid auf der Bühne des Neil Blaisdell Centers von Honolulu die sentimentale Weise anstimmte You are the Only One I Am Going to Love.

Worte der Woche

„Wenn wir die Geschichte der letzten Jahrzehnte betrachten und dieselbe Elle wie bei Honecker anlegen, müßten wir wahrscheinlich alle Staatsmänner und Regierungschefs nicht in Rente, sondern ins Gefängnis schicken.

Wolfgang Ebert: Mein BND

Mit dem BND bin ich endgültig fertig. Dieser BND ist nicht mehr mein BND, den ich einst bewunderte, als sein Chef noch Gehlen hieß.

Am Montag kommender Woche soll Wolfgang Schäuble zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewählt werden. Wie wird er sein neues Amt führen, und ist er den Anstrengungen körperlich gewachsen?: Handeln statt Schwärmen, Pragmatismus pur

Wolfgang Schäuble erinnert sich lebhaft seiner Wiederentdeckung von Lessings "Nathan": "Begreifst du aber, wieviel andächtig schwärmen leichter als gut handeln ist?" Es war im November 1988, am Tag nach den Gedenkveranstaltungen zum 50.

Ben Witter: Angetippt

Herr Z. ist Jude. Er wurde in Polen geboren und durch drei Konzentrationslager in den deutschen Norden getrieben, wo er hängenblieb.

KOLUMNE: Die Kirchen unter Schock und Streß

Nachdem die Evangelischen Kirchen in der DDR für kurze Zeit im Ruhm glänzten, die Mutter der friedlichen Revolution gewesen zu sein, scheint ihr öffentlicher Kredit nun rapide zu verfallen.

Von der Kaderschmiede zur demokratischen Hochschule: Erneuern oder überleben?

Wie sich die Situationen gleichen: "Seien Sie solidarisch mit den Professoren und Dozenten Ihrer Universität, die noch immer von alten SED-Cliquen an die Wand gedrückt und durch böse Intrigen benachteiligt werden", mahnte der Bundestagsabgeordnete Konrad Weiß vom Bündnis 90 bei der Immatrikulationsfeier der Berliner Humboldt-Universität im Oktober 1990 die Studentinnen und Studenten.

Bonner Bühne: Das Kabinett tanzt

Guten Abend, Herr Fischer.“ Rudolf Seiters, Minister im Kanzleramt, grüßt einen Mann mittleren Alters. Der ist freilich so herausgeputzt, wie es Joschka Fischer nicht mal bei der Vereidigung als hessischer Minister war.

Weltbühne: Arabischer Montesquieu

Araber brachten den Europäern im Mittelalter die fast vergessenen griechischen Philosophen wieder nahe. Doch die antike Idee der Demokratie fand im arabischen Denken seit Mohammed keinen rechten Platz.

Dokument: Das Erbe der Stasi-Akten: Warten auf Böhme

Gerd Poppe, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Grüne, wurde etwa zwanzig Jahre lang von der Staatssicherheit observiert. Am Donnerstag vergangener Woche forderte er in einer Rede zu jenem Gesetz, das fortan den Umgang mit den Stasi-Akten regeln soll, einen prominenten Spitzel auf, sich seiner Schuld und einem Gespräch zu stellen.

Alles sehen, alles hören, nichts wissen

Nichtwissen entläßt zwar nicht aus ihr, erschwert aber augenscheinlich die Haftbarmachung. „Wir waren nicht unterrichtet“, behaupten unisono die Spitzen von Kanzleramt, Verteidigungsministerium und Bundesnachrichtendienst, nachdem der Versuch, ostdeutsches Kriegsgerät nach Israel zu verschieben – und zwar entgegen einem Beschluß des Bundessicherheitsrats –, ausgerechnet an jenem Wochenende aufflog, da in Madrid die erste Nahost-Friedenskonferenz tagte.

Der Geist der Nörgelei

„Ich halte es aber für Ideologie, vielleicht sogar für demagogisch, zu sagen: Alle Ausländer sind uns willkommen. Es ist doch niemandem gedient, wenn sich die Leute dann hier einander die Schädel einschlagen.

Hamburg: Verstehen oder urteilen?

Sex-Professor: Herztod“ – schon die Schlagzeile der Hamburger Morgenpost zeugt vom befangenen Umgang mit einem Tabuthema. Eberhard Schorsch erforschte nicht die menschlichen Sexualpraktiken.

Alter Adam

„Der Sozialismus war der Versuch, mehr Gerechtigkeit unter den Menschen zu schaffen. Da sich dieser Versuch aber auf etwas gründete, was es niemals geben wird: einen neuen Menschen, der nichts mehr von den Bedürfnissen und Begierden des alten Adam und der alten Eva an sich haben würde, daher konnte dieser Sozialismus nur scheitern.

Berlin: Bittere Lektion

Martin Marquart wohnt im Berliner Bezirk Tempelhof, in einer Beamtensiedlung mit Vorgärten und Gärten hinter dem Haus. Der 47jährige ist bereits Pensionär, denn schon vor elf Jahren zwang ihn ein Rheumaleiden, seinen Beruf als Lehrer aufzugeben.

Scheinbar nicht würdig

Professor Max Hermann, Gründer des Theaterwissenschaftlichen Instituts der Berliner Universität, war 42 Jahre lang Professor an der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin, der heutigen Humboldt-Universität, ehe ihn die Nazis 1933 als Juden von der Universität vertrieben.

Berlin: Doppeltes Nadelöhr

Darf eine ehemalige Richterin der DDR, die Mitglied der SED-Nachfolgepartei PDS ist, Richterin im neuen vereinten Deutschland werden? Diese Frage wird in der Hauptstadt derzeit heftig diskutiert.

Bayern: Stehn’S auf! Sind’S fußkrank?!

Noch während Irmingard Schmidt den Saal betritt, bellt sie ins Publikum: „Stehn S’ auf! Sind S’ fußkrank?!“ Die Zuschauerreihen sind überwiegend von älteren Damen bevölkert, die ohnehin gerade dabei waren, sich zu erheben.

Brief einer Polin: Offene Feindschaft

Im Oktober fand im Internationalen Haus Sonnenberg im Oberharz, in dem seit vierzig Jahren Veranstaltungen abgehalten werden, ein Symposium statt, an dem Dr.

Bonner Kulisse

Verteidigungsminister GerhardStoltenberg ist mit der Beantwortung einer kleinen Anfrage des SPD-Abgeordneten Walter Kolbow und weiterer Kollegen im Verzug.

„Längst nicht alles erreicht“

Hagedorn: Macht ist ein relativer Begriff. Ich fühle mich als Vertreter der Interessen meiner Kolleginnen und Kollegen im Deutschen Beamtenbund.

Der Verzicht wird lukrativ

Im Vergleich zu den Münchner Nichtrauchern – 1200 Mitglieder zählt der Verein – hat Franz Birkenfeld vom Nichtraucherschutz Germania e.

Sorge um den Exodus

Nach dem Streit um die Pflegeversicherung entbrennt wieder die alte Debatte über den Industriestandort Deutschland

Frischer Wind in Schwerte

Es geschah auf der Heimfahrt von seinem Arbeitsplatz in Schwerte zu seinem Wohnort Dortmund: Erich Drönner saß mit seinem Wagen wieder mal im Stau fest und stöhnte über die von Abgasen verpestete Luft.

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