DIE ZEIT

Intolerant

Die Diskussion um den Paragraphen 218 wird zum ernsten Problem für die Union, Immer deutlicher prägt die Intoleranz katholischer Fundamentalisten den Tonfall.

Das Zimmer

Erich Mielke wollte sich den Herzenswunsch erfüllen, den Russen das berühmte Bernsteinzimmer wiederzuschenken. Darum ließ er seine Stasi drei Jahrzehnte lang die DDR von Nord bis Süd durchkämmen.

Ein Präsident unter Druck

Nach dem Sommer der Triumphe erlebt das Weiße Haus in Washington nun einen Winter des Mißvergnügens. Der Präsident, eben noch als Golf-Held und Inspirator der Neuen Weltordnung gefeiert, verliert seinen Glanz im Schatten innenpolitischer Probleme.

Mord und Totschlag

Europa und der jugoslawische Krieg: Ohne Friedenswille keine Hilfe zum Frieden

Ein deutsches Spiegelbild

Mit selten einmütigem Eifer fordern Bundeskanzler Kohl, Außenminister Genscher und Justizminister Klaus Kinkel seit Wochen von Moskau, der frühere SED-Generalsekretär solle ausgeliefert werden – als wäre Erich Honecker wirklich das Problem Nummer eins der deutschen Politik.

Worte der Woche

„Wir benötigen dringend Ihre Hilfe, wir appellieren an Sie aus Dubrovnik, einer Stadt des Lichtes und der Lebensfreude, die nun in ein großes Gefängnis verwandelt wurde und schon bald zu einem Massengrab werden könnte.

Zeitspiegel

Der Alltag gedeiht, der Fraktionszwang wächst. Der ostdeutsche Parlamentarismus entwickelt allmählich westliche Tugenden. Auch die verschämten Diätenerhöhungen werden mancherorts immer unverschämter.

Mittler zwischen Welten

Die Franzosen nennen ihn Pierre, in England heißt er Peter. Butros lautet sein Vorname zu Hause in Ägypten auf arabisch. Doch Butros Butros-Ghali ist eben weniger Ägypter als Weltbürger.

Auf dem Gipfeltreffen in Maastricht wollen die EG-Regierungschefs die Wirtschafts- und Währungsunion und die Politische Union beschließen. Aber statt des erhofften Durchbruchs könnte es eine herbe Enttäuschung geben.: Ohne Rücksicht auf Europa

Die traurigsten Gesichter in Europa, hat der britische Außenminister Douglas Hurd kürzlich mit allen Zeichen der Befriedigung angekündigt, werden jene machen, die sich von dem Maastrichter Euro-Gipfel einen großen Sprung nach vorne erhofften.

Wolfgang Ebert: Bonn bleibt Bonn

Kaum wurde aus dem Munde Norbert Blüms bekannt, daß sechzig Prozent aller Bonner Beamten mitsamt ihrer Ministerien von der Strafversetzung nach Berlin verschont bleiben, da besuchte ich Ministerialrat Mäusel, um mit ihm und seiner Gattin anzustoßen.

Koalitionsverhandlungen in Bremen: Warten vor der Ampel

Der moderne Mensch verbringt sein Leben vor Ampeln, an jeder Ecke heißt es stop and go. Nun gewinnt dieses nervenaufreibende Steuerungsinstrument der Autogesellschaft eine neue Bedeutung – als politisches Symbol.

Parteitag in München: Schattenwechsel

Der Abstieg der CSU zum Landesverband der Union des Helmut Kohl findet unter beträchtlichem Getöse statt. Auf dem 55. Parteitag in München jedenfalls dröhnte das rituelle Selbstlob derart, daß die Unsicherheit dahinter deutlich wurde.

KOLUMNE: Vorboten der Unordnung

Schon bevor der Kalte Krieg zu Ende ging, konnte man die Vorboten einer Neuen Welt-Unordnung erkennen: der Aufstieg internationaler Drogenkartelle zu einer Finanz-Weltmacht; die unkontrollierte Verbreitung von Massenvernichtungsmitteln der A-, B- und C-Kategorien; Warnsignale ökologischer Katastrophen von Tschernobyl bis zum Ozonloch; Masseneinwanderungen, an den Südrändern Frankreichs, Italiens, aber auch der Vereinigten Staaten.

Rückblick: Regierungsbildung in Polen: Präsident sucht Premier

Einen Monat nach den Parlamentswahlen hat Polen noch immer keine neue Regierung. Bronislaw Geremek von der Demokratischen Union, den Präsident Lech Walesa mit der Regierungsbildung beauftragt hatte, resignierte schon nach wenigen Tagen: Er fand keinen Partner, der mit seiner Partei koalieren wollte.

Bonner Bühne: Ganz und gar nicht normal

Dieser Bonner Montagabend war nicht wie jeder andere. Zunächst und vor allem die Wahl des Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU: großes Gedränge, Medienrummel, Wolfgang Schäuble versuchte zu tun, als wär’ nichts.

Weltbühne: Das Gewissen wächst

Das Ende des Kalten Krieges hat schon so manchen Widerspruch zutage gefördert: Lange Zeit galt der Europarat als eine ausschließlich westliche Institution, mit der die Länder des Ostblocks nichts zu tun haben wollten.

Der Schnelle Brüter wird nicht fertiggestellt; Deutschland baut keine Bombe. Doch auf die Plutonium-Technik will die Industrie nicht verzichten. Nur wenn der hochgiftige Abfall aus den Kernkraftwerken weiterverarbeitet wird, bleibt die Illusion einer gesicherten Entsorgung erhalten. Die Kosten sind immens, die Gefahren groß. Der Sinn wird immer fragwürdiger.: Die Atommacht von Hanau

Hanau, 18. April 1991, Siemens-Brennelementwerk, Betriebsteil Plutonium-Verarbeitung: Zwei Arbeiter der einst "Alkem" genannten Atomanlage schleusen eine Plutonium-Dose aus einem luftdichten gläsernen Handschuhkasten in eine endlose Plastiktüte.

Baden-Württemberg: Bei Nacht und Nebel

Mitternacht ist längst vorbei. Der ganze Ort liegt in tiefem Schlaf. Plötzlich fährt ein Wagen an dem etwas abseits liegenden Gebäude vor, und dann muß alles ganz schnell gehen.

Berliner Sattmacher

„Die Jugendlichen haben rechtsextremistische Programme weder im Kopf noch im Bauch. Gefährlich sind die Berater, die sich in diesen Jugendgangs breitmachen und sich dort ihren politischen Nachwuchs heranziehen.

Mundfaule Kirche

Nach meinem Eindruck ist das Kollektivschicksal DDR mehr oder weniger vergangen und hat sich aufgelöst in eine unendliche Vielzahl von Einzelschicksalen.

Thüringen: Die ganz heiße Spur

Ab Boris Jelzin den Auswärtigen Ausschuß in Bonn mit der Aussage verblüffte, er wisse, wo in Deutschland das seit 1945 verschollene Bernsteinzimmer zu finden sei, da müssen einigen Herren in Weimar die Ohren geklungen haben.

Nordrhein- Westfalen: Elf tote Lämmer

Wie alle Angreifer kommen sie fast immer in den Morgenstunden. Sie sammeln sich in den Bäumen der Umgebung, stürzen im Schwarm auf ihre Opfer und fügen ihnen gräßliche Verletzungen zu: Sie stechen ihnen die Augen aus, hacken manchmal sogar die Köpfe entzwei.

Bonn überhört die Signale

Eigentlich ein ganz alltäglicher Vorgang: Der Düsseldorfer Warenhauskonzern Horten, seit knapp einem Jahr zu gut fünfzig Prozent in Händen der nordrhein-westfälischen Staatsbank WestLB, bekommt neue Gesellschafter.

Erika Martens:: Gewerkschaften im Trommelfeuer

Wenn am nächsten Montag in Bonn Regierungsvertreter, Unternehmer und Gewerkschafter wieder einmal zur Kanzlerrunde zusammenkommen, wird das Klima frostiger sein als bei früheren Gesprächen.

Sowjetunion: Notdiktat

Als der Ruf schon ruiniert war, versuchte die Außenwirtschaftsbank der Sowjetunion noch ungeniert, Seriosität zu mimen. Um so mehr sahen sich westliche Gläubiger genötigt, Alarm zu schlagen und die Rettung zu organisieren.

Bonner Kulisse

Das Handbuch der Mitglieder des 12. Deutschen Bundestages, Teil II, unlängst erschienen, steckt voller Überraschungen. Dieser zweite Teil, eine Art „Wer mit wem“, ist gewissermaßen der Nachlaß der Affäre um den ehemaligen Bundestagspräsidenten Rainer Barzel.

Interhotels: Die riskante Rechnung

Trotz der ungelösten Eigentumsfrage steigt die Berliner Immobiliengruppe Klingbeil in die ostdeutsche Hotelkette ein

Rudolf Engen: Waigels Kreise

Immer wenn der neu eingebürgerte Aussiedler Jerzy Wiesinki wieder Verständnisprobleme im deutschen Geschäftsleben hat, wendet er sich nach Feierabend vertrauensvoll an seinen Freund M.

Mit sanfter Energie

Abwehrend hebt Friedhelm Gieske beide Hände. „Lobbyismus“, sagt der Chef des RWE-Konzerns, „ist ein Fremdwort, das ich überhaupt nicht kenne.

France à la Bundesrepublik

Der kundige Diplomat ist im Moment ein gefragter Mann. „Ich werde von informationshungrigen Franzosen geradezu bestürmt“, berichtet der Mitarbeiter der bundesdeutschen Botschaft in Paris.

Marxismus nach dem Fall

Ein Wirtschaftskrimi. Spannend, gruselig und apodiktisch: Robert Kurz gibt eine furiose Analyse des Debakels jener militarisierten Kommandowirtschaft des Kasernensozialismus, in der, beispielsweise, das Ifa-Kombinat mit 65 000 Mitarbeitern 200 000 Autos pro Jahr produzierte, während Toyota mit derselben Beschäftigtenzahl vier Millionen herstellte; und er malt als Menetekel das Ende des sich selbst auffressenden Kapitalismus an die Wand, dessen wahren Despotismus er im subjektlosen Absolutismus des Geldes sieht, den er die „Subjektillusion der bürgerlichen Modernisierung“ nennt.

Eine Steuer gegen die Verschwendung

Jahrelang wurde das Instrument nur in Zirkeln von Wissenschaftlern diskutiert, während Umweltpolitiker nichts davon wissen wollten und Öko-Verbände gar verächtlich von einem „Ausverkauf der Natur“ sprachen.

Tarifvertrag: Stumme Lehrer

Mucksmäuschenstill war es Mitte November in den Unterrichtsräumen des Goethe-Instituts in Mailand. Sprach- und Grammatik-Übungen fanden einen Tag lang nicht statt.

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