Wochen schon wurde die Entscheidung immer wieder vertagt. Jetzt ist sie halb gefallen. Der Bereich Energietechnik des tschechischen Industriemischkonzerns Skoda mit seinen Kraftwerks-Baukapazitäten und rund 7000 Beschäftigten geht an die Münchner Siemens AG. Offiziell wird dieser Teil des zur Privatisierung anstehenden staatlichen Skoda-Konglomerats in eine gemeinsame Gesellschaft mit Siemens eingebracht, an der die Münchner die Zweidrittelmehrheit halten werden.

Damit hat Heinrich von Pierer, der kommende Siemens-Vorstandsvorsitzende, in sechsmonatigen Verhandlungen den schweizerischschwedischen Elektrokonzern ABB Asea-Brown-Boveri ausgestochen, der ebenfalls großes Interesse an der Energieabteilung von Skoda hatte. Genauso wie Siemens versprachen sich die ABB-Manager durch diese Verbindung mit dem zweitgrößten Kraftwerksbauer im ehemaligen Ostblock einen leichteren Zutritt zum osteuropäischen Markt, auf dem in den kommenden Jahren zahlreiche neue Kraftwerke gebaut werden müssen. Vielleicht, so das Siemens-Kalkül, könnten dort eines Tages wieder Atomkraftwerke hochgezogen werden. Noch offen ist allerdings, ob Siemens auch bei der ebenfalls zu Verkauf stehenden Eisenbahntechnik von Skoda zum Zuge kommt.

Die Preisrunde ist eröffnet: Zu Beginn dieser Woche haben westdeutsche Boulevardblätter – wie Bild und Hamburger Morgenpost – in schöner Eintracht ihren Preis um einen Groschen auf siebzig Pfennig erhöht – der Grund, wie üblich, gestiegene Kosten für Personal, Druck und Technik.

Fast überlebenswichtig, strategisch aber ungemein heikel, ist eine Preisanhebung im Osten des Landes. Mit Dumpingpreisen nämlich waren die Westkonzerne hier an den Start gegangen. Mit vierzig Pfennig beispielsweise schickte der Hamburger Verlag Gruner & Jahr seine Morgenpost-Ausgaben in Dresden, Chemnitz und Mecklenburg an den Markt. Springers Bild mußte auf diesen Preis einsteigen. In Berlin schickte Gruner & Jahr seinen Kurier sogar mit dreißig Pfennig ins Rennen. Und daran wiederum orientierte sich Hubert Burda mit seiner Neuschöpfung Super!Zeitung. Daß mit diesen Preisen irgend jemand Geld verdient, hat noch niemand behauptet. Nun hat Gruner & Jahr zunächst einmal die Morgenpost um einen droschen verteuert – ohne große Einbußen für die Auflage, wie in Hamburg betont wird.

An den heiklen Berliner Markt wagt man sich nun Anfang Dezember. „Wir wollen wissen, woran wir sind“, heißt es im Verlag. Fragt sich, ob auch Burdas Super!Zeitung alsbald nachzieht.

In seltener Eintracht präsentieren sich derzeit der bayerische Umweltminister Peter Gauweiler und die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Beide sprechen sich für die Einführung von Mindestquoten zur Verwertung von Altpapier bei der Papierproduktion aus. Auch über die Höhe der Quoten sind sich die ungleichen Partner einig. „Es ist durchaus möglich, eine Zeitung zu siebzig Prozent aus Altpapier herzustellen – technisch kein Problem und umweltpolitisch zwingend notwendig“, sagt Günter Grass, Pressesprecher des bayerischen Umweltministeriums. Christoph Thies, Fachmann für das Ressort „Papier“ bei Greenpeace, kann da nur zustimmen.

„Wir haben keine Berührungsängste mit Herrn Gauweiler“, versichert Thies, „wenn er eine umweltpolitisch vernünftige Forderung aufstellt, wären wir die letzten, die opponierten.“ Der Bajuware sieht das ebenso unproblematisch.