Erstmals enthüllt: „Unternehmen Ursula“ – Ubermalte Kennzeichen, falsche Funksprüche – Schweigepflicht war lebenslänglich

Von Bodo Herzog

Ich erinnere mich noch genau. Als Pennäler begann ich im Jahre 1936/37, meine erste Zeitungsausschnittsammlung anzulegen. Die Zeitungen waren damals voll mit Nachrichten vom Spanischen Bürgerkrieg. Immer häufiger wurden mysteriöse Aktionen „unbekannter U-Boote“ an den spanischen Küsten oder im übrigen Mittelmeer gemeldet. Ich sehe die Schlagzeilen noch vor mir, die ich damals in bürgerlichen deutschen Zeitungen, in Naziblättern sowie mit späteren Ergänzungen in der Schweizer Presse und in der Times fand: „Vier Torpedos gegen deutsches Kriegsschiff“ – „Mißbrauch der britischen Flagge“ – „U-Boote der Sowjets mit spanischer Nationalflagge“ – „Steps to End Piracy“ – „Piracy in the Mediterranean“ – „U-Boot-Spuk vor den Dardanellen“.

Die Sprachregelung für die deutsche Presse stand im vornhinein fest: Es durfte sich bei den Piraten nur um „die Roten“ handeln. Die von den Faschisten angegriffene demokratische Republik hieß in deutschen Zeitungen „Rot-Spanien“ oder „Sowjet-Spanien“ (diese Begriffe hielten sich hierzulande im politisch-historischen Sprachgebrauch zum Teil noch bis in die siebziger, achtziger Jahre). Sogar Reichsaußenminister Freiherr von Neurath sprach seinerzeit von „spanisch-bolschewistischen Unterseeboot-Piraten“.

Die Sache blieb geheimnisvoll und für mich als Schüler undurchschaubar. Aber ich kannte die Flottenstärken. Die Spanier besaßen bei Kriegsbeginn zwölf U-Boote, die alle in republikanischen Häfen lagen, denn die Marine war loyal geblieben. Vier davon gingen gleich in den ersten vier Monaten verloren. Die Rebellen unter General Franco konnten erst im April 1937 zwei italienische U-Boote in Dienst stellen. Nach Angriffen gegen Kriegs- und Handelsschiffe der Republikaner, gegen sowjetische Versorgungsschiffe oder neutrale Frachter war es mithin unmöglich, die Nationalität der angreifenden U-Boote exakt zuzuschreiben. Gewöhnlich benutzte man die Vokabel „fremde U-Boote“. Bald nach Kriegsausbruch bemühten sich die europäischen Großmächte um die Eindämmung des Konfliktes, der leicht in einen europäischen Krieg umschlagen konnte. Die faschistischen Rebellen wurden von den Achsenmächten Deutschland und Italien unterstützt. Nur dank der von Hitler geschickten JU 52-Luftflotte hatte Franco seine Marokko-Armee aufs Festland übersetzen können. Etwa 17 000 deutsche Soldaten (getarnt als „Freiwillige“) kämpften in der „Legion Condor“, die General Franco direkt unterstellt war – vornehmlich Luftstreitkräfte, aber auch einige Panzer- und Panzerabwehreinheiten sowie eine als Nachrichteneinheit getarnte kleine Marine-„Gruppe Nordsee“. Der italienische „Duce“ Mussolini schickte Vier Divisionen und ebenfalls Fliegerverbände.

Die Republikaner wurden indirekt von Frankreich mit Waffen und Munition unterstützt und offen von der Sowjetunion. Sie ließ sich die spanischen Goldreserven aushändigen und lieferte dafür Kriegsmaterial; außerdem schickte Moskau 3000 Berater. Die Haupthilfe für die Republikaner jedoch leisteten die circa 37 000 Freiwilligen der Internationalen Brigaden.

Im Februar 1937 einigten sich 27 Nationen auf der Londoner Nichteinmischungskonferenz, die Entsendung von Freiwilligen und die Lieferung von Kriegsmaterial nach Spanien zu verbieten. Zu diesem Zweck wurde über die spanischen Küsten eine Seekontrolle verhängt (siehe Karte Seite 50).