Eines dieser Boote - U-35 sichtete am 1937 in der Frühe vor Santander einen Geleitzug, der von zwei republikanischen Zerstörern begleitet wurde. Als der Zerstörer das U-Boot erkannte und morsend auf Gegenkurs drehte, tauchte U-35 um 5.10 Uhr und versuchte zwei Angriffe, kam jedoch in keine Schußposition. Um 8.10 Uhr lief U-35 aufgetaucht ab. Ein mißlungener Akt der Piraterie!

„Kriegsbefehle“ im Frieden

Inzwischen – am 15. Juni 1937 – hatte ein neuer Zwischenfall die Gemüter in Deutschland erregt: Vor der algerischen Küste, 25 Seemeilen nördlich von Oran, war der deutsche Leichte Kreuzer Leipzig mit vier Torpedos angegriffen worden, die jedoch alle vorbeiliefen. Die Times hielt es für möglich, das deutsche Kriegsschiff sei verwechselt worden. (Vielleicht hatte ein italienischer U-Boot-Kommandant gemeint, einen spanischen Kreuzer vor sich zu haben?) Aus Protest zogen sich daraufhin Deutschland und Italien vorübergehend aus der internationalen Seekontrolle zurück. Für die deutsche Kriegsmarine war der Fall klar: Konteradmiral von Fischel, zu der Zeit der örtliche Seebefehlshaber, bereitete eine neue geheime U-Boot-Aktion vor. In drei Zielräumen im Mittelmeer, wo sich deutsche U-Boote nicht aufhalten durften, vor Cartagena und an der algerischen Küste, sollten „röte“ U-Boote versenkt werden. Vor dem Durchbruch in der Straße von Gibraltar mußten U-28, U-33 und U-34 die Nummern- und Neutralitätszeichen übermalen. Von dem großen U-25 des Typs I-A existiert ein Photo, wie es vor Alicante an der Costa del Sol von einem Heinkel-Bordflugzeug des Kreuzers Leipzig versorgt wird. Bei dieser Operation wollte Fischel die neuen Elektrotorpedos ausprobieren lassen. Aber die Marineleitung genehmigte aus unbekannten Gründen den Plan nicht.

Unerlaubt hielt sich zu jener Zeit auch U-14, ein Boot des kleinen Typs II-B, ohne Kennzeichen und Flagge, im Mittelmeer auf, wo es dem Panzerschiff Admiral Scheer begegnete. Die versiegelten „Kriegsbefehle“ zum Angriff gegen den „roten Nachschub“ blieben allerdings geschlossen.

Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Generaladmiral Raeder, ordnete anschließend sogenannte Horchübungen an, um die geheimnisvollen U-Boot-Angriffe auf die Leipzig (und kurz danach auf den Kreuzer Nürnberg) zu rekonstruieren. Zu diesem Zweck wurde U-34 (jetzt unter dem Kommando von Kapitänleutnant Ernst Sobe) erneut ins Mittelmeer beordert, wo es sich am 1. und 2. Juli im Seegebiet südlich von Sardinien mit dem Panzerschiff Admiral Graf Spee und der Nürnberg traf. Am 12. Juli mußte U-34 nochmals ins Mittelmeer fahren, um die Übung mit der Nürnberg zu wiederholen. Vier Tage später wurde die Nürnberg südlich der Balearen zweimal mit Torpedos beschossen, aber nicht getroffen. Am selben Abend sichtete die Admiral Graf Spee zweimal ein Sehrohr. Diese Vorfälle gelangten jedoch nicht in die Presse. Warum? Weil verbündete Italiener im Spiel waren? Oder vielleicht sogar deutsche U-Boote?

Mit dem Geheimnis ins Grab

Offiziell beendete die deutsche Kriegsmarine ihre Tätigkeit in Spanien Ende 1938. Als letzte Einheit verließ U-35 El Ferrol am 5. Januar 1939 in Richtung Brunsbüttel.