Zwar wehrt sich der Rektor der Humboldt-Universität Berlin weiter gegen den Vorwurf, Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gewesen zu sein. Doch Professor Heinrich Fink hat dabei einen immer schwereren Stand. Denn am Montag dieser Woche hat der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für die Stasi-Akten dem Berliner Senator für Wissenschaft und Forschung mitgeteilt: "Herr Prof. Fink ist seit 1969 als Inoffizieller Mitarbeiter des MfS unter dem Decknamen ‚Heiner‘ tätig gewesen."

Nach den Unterlagen des MfS ist der Vorgang "Heiner" am 4. Dezember 1989 gelöscht worden, wie der Leiter der Hauptabteilung XX/4 des Ministeriums bestätigt hat. Das war drei Wochen nach dem Amtsantritt des Ministerpräsidenten Hans Modrow – bei einer Aktion, der auch andere prominente Akten zum Opfer fielen. Die Abteilung XX war zuständig für die Überwachung von Parteien und oppositionellen Bewegungen, die Unterabteilung 4 widmete sich den Kirchen.

Die gelöschte Akte von Fink habe fünf Bände gehabt. Bestätigt werde die Erfassung von Fink durch ein Schreiben des Ministerstellvertreters General Mittig aus dem Jahre 1984. Zudem, so die Gauck-Behörde, sei die Registriernummer auf der Löschanweisung mit der geschwärzten Nummer auf der Namenskarte von Fink identisch.

Heinrich Fink hält dieses Ermittlungsergebnis des Sonderbeauftragten für eine "politisch motivierte Manipulation", die nicht ohne Grund mit der bevorstehenden Neuwahl des Rektors der Humboldt-Universität zusammenfalle. Doch die Anfrage des Wissenschaftssenators bei der Gauck-Behörde stammt vom 24. April. Und sollte der Sonderbeauftragte seine Auskunft etwa bis nach dem Wahltag zurückhalten? Dient doch das ganze Auskunftsverfahren dazu, rechtzeitig Klarheit zu schaffen. Fink beruft sich darauf, daß die gleiche Behörde ihm im Februar 1991 mitgeteilt habe, es gäbe "keine Hinweise auf eine Zusammenarbeit"; freilich stand die damalige Auskunft (wie auch die jüngste) unter dem Vorbehalt, daß nur die "bereits erschlossenen Unterlagen herangezogen werden konnten".

Als Direktor der Sektion Theologie der Humboldt-Universität habe er zwangsläufig Kontakte mit der Staatssicherheit gehabt, sagte jetzt Fink vor Journalisten. Er habe sich, wie jeder Amtsträger, in vielfacher Hinsicht zu rechtfertigen gehabt, unter anderem wegen Handlungen seiner Studenten, wegen seines Eintretens für Israel und wegen einer Arbeitsgruppe zur Integration von Homosexuellen. Er habe aber niemals Auskunft über Personen gegeben und sich "keine Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit im Sinne der Äußerungen der Gauck-Behörde vorzuwerfen".

Die Aktenvernichtung behindere ihn in seinen Verteidigungsmöglichkeiten, sagt Fink jetzt: "Daraus das Recht zu ehrvernichtenden Beschuldigungen herzuleiten ist totalitär." Die Wiederwahl Finks zum Rektor durch den Akademischen Senat, der am 11. Dezember gewählt werden soll, ist ohnehin wenig wahrscheinlich. Die Kritik an Fink – die nicht nur von Wissenschaftssenator Manfred Erhardt vorgebracht worden war – richtete sich vor allem gegen die schleppende Erneuerung der Universität. Mit dem seit längerem schwebenden Verdacht der Stasi-Mitarbeit hat das nichts zu tun. Fink freilich glaubt, bei den Stasi-Vorwürfen ginge es darum, "eine eigenverantwortliche Aufarbeitung der Vergangenheit zu verhindern".

Wissenschaftssenator Erhardt hatte am Dienstag die Personalkommission der Humboldt-Universität einberufen, um über den Fall Fink zu beraten. Das Ergebnis war die Suspendierung. Dagegen und gegen die Vorwürfe selber will Fink mit allen Rechtsmitteln vorgehen. Joachim Nawrocki