Daß er mit irgend etwas gegeizt hätte, wird man diesem Schriftsteller schwerlich vorwerfen können: dreihundert ordentlich bedruckte Seiten, stattliche sechs Leichen, ein knackiger Showdown und Tatmotive, die allein schon für einen Roman gut wären. Doch leider: Die dreihundert Seiten sind eine Geduldsprobe, die Toten schon als Lebende kaum zu unterscheiden, die Szenesprüche aus der Retorte geboren und die Motive den Tätern allzu künstlich übergestülpt.

Was dem 1953 in Duisburg geborenen Heiner Lau in seinem ersten Roman "Lemgo" (Ammann hängnis wurde, ist schnell ausgemacht: die Ambition, mehr erzählen zu wollen als eine gewöhnliche verworrene Kriminalgeschichte.

Jan Peeters, ein unscheinbarer Sportjournalist mit "schmächtigem Brustkorb und dünnen Beinen und Armen", mutiert zu einem tollkühnen Fahnder, weil eine junge Dame ungebeten in sein Auto steigt und dort zufällig einen Schlüssel verliert, auf den es gleich ein ganzes Ganovenheer abgesehen hat. Bei seinen Nachforschungen macht der Hobbydetektiv erwartungsgemäß eine Reihe unliebsamer Bekanntschaften: Bodo Brinkmann, ein Gangster mit Herz und Augenklappe und zufällig Stiefbruder der jungen Dame, stellt sich mit einem rechten Haken vor, ein anderer Unterweltler kommt zum Antrittsbesuch gar durch fest verschlossene Türen. Solche Auftritte sind noch standesgemäß.

Weniger standesgemäß ist das Talent von Laus Figuren, in allen Lebenslagen über die Welt im allgemeinen und die eigene Geschichte im besonderen Auskunft zu geben. Wenn Bodo von seiner Schwester und deren Jugend in einem "Katholikenkaff" berichtet, dann klingt das wie aus einer Fallstudie im Handbuch zur Sozialisation.

Als Film wäre "Lemgo" wohl für ein paar Alpträume gut, als Comic zumindest ein Geheimtip. Schade, daß sich Heiner Lau für einen Roman entschieden hat. Matthias Schubert