Der öffentliche Druck hilft ein bißchen. Mehr Leute melden sich und verlangen Informationen. Aber am Montag waren es wieder nicht mehr als zehn junge Leute, die sich vor der jugoslawischen Botschaft im Bonner Vorort Mehlem zur „Demo“ einfanden.

„Das ist schon mager“, seufzt Gerd Greune, ein Veteran aus den Tagen der Märsche gegen die amerikanischen Raketen. Er koordiniert im Auftrag seiner „Initiative für Frieden“ in Bonn die Aktionen gegen den Bürgerkrieg. Spendenaktionen, Hilfe für serbische Deserteure und Wehrdienstverweigerer, Kundgebungen. Und die Demonstration vor der Botschaft.

Mehr als ein Symbol ist das nicht. Eine Mahnwache, jeden Montagmittag an abgelegener Stelle am Rhein. Da kommt niemand zufällig vorbei, der sich spontan einreihen könnte. Es kommt auch kein Fernsehteam, das den guten Willen dieses Häufleins der Unentwegten dokumentieren würde. Oder doch: „Die Japaner waren da.“ Immer dieselben.

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Vielleicht kommen am Samstag mehr, hofft Gerd Greune. Für zwölf Uhr hat seine Initiative, gemeinsam mit anderen Gruppen der ehedem eindrucksvolleren Friedensbewegung, noch einmal zu einer Kundgebung aufgerufen: „Für sofortigen Frieden, Selbstbestimmung und Minderheitenrechte in Jugoslawien.“ Wenn zweihundert kämen, sagen die Organisatoren, wär’ das schon was.

Der heutige harte Kern, aus dem sich auch die Mahnwachen rekrutieren, sind dieselben „unpolitischen“ Pazifisten, die damals gegen die „Nachrüstung“ demonstriert haben und – von der Öffentlichkeit unbemerkt – während des Golfkriegs auch vor der Botschaft des Irak. „Wer militärische Lösungen politischer Probleme ausschließt“, sagt Greune, „hat weniger Probleme mit dem Protest.“

Die „politischen“ Köpfe der Exbewegung, die Linken, ticken anders. Oh diese Zerrissenheit: Sie sind gegen den serbischen Krieg, aber auch gegen die kroatische Sezession. Greune resigniert: „Die denken nur politisch.“