Nach fünf Jahren Geiselhaft im Libanon durften die beiden Amerikaner Joseph Cicippio und Allan Steen Anfang dieser Woche wieder erfahren, was Freiheit bedeutet. Und es gibt Anzeichen dafür, daß auch ihr Landsmann Terry Anderson sowie die beiden Deutschen Thomas Kemptner und Heinrich Strübig noch vor Weihnachten freikommen.

Natürlich besteht nun die Neigung, jenen zu danken, welche die Freiheit als Vorweihnachtsgeschenk beschert haben und hoffentlich noch bescheren. Doch wer darf der Adressat sein?

Gewiß UN-Generalsekretär Javier Pérez de Cuéllar und sein Sonderbeauftragter, die sich seit Wochen hinter den Kulissen beharrlich und unermüdlich einsetzten. Doch wird weniger ihnen als den Regimen in Teheran und Damaskus offizieller Beifall zuteil.

Und das ist ungerecht, ja empörend. Denn die Mullahs im Iran und der Diktator in Syrien waren all die Jahre über die Schirmherren und Schutzpatrone der Geiselnehmer. Ihre Unterstützung, ihr Geld und ihr wohlwollendes Wegschauen ermöglichten das grausame Versteckspiel.

Sie brauchen und mißbrauchen die Gunst des Westens. Nicht humane Einsicht, sondern allein taktisches Kalkül riet ihnen nun, auf die Herausgabe des menschlichen Pfands zu drängen. Solange aber in diesen beiden Ländern mit ihrem hinlänglich bekannten Einfluß im Libanon keine grundsätzliche Wende stattfindet, ist auch ein Ende libanesischer Geiseldramen nicht zu erwarten. Ändert sich nämlich die politische Konjunktur, geht die Tragödie in den nächsten Akt.

Der Druck des Westens auf Syrien und den Iran muß also weitergehen. Und zwar vorläufig mit mehr Peitsche als Zuckerbrot: Bis in diesen Ländern die Menschenrechte geachtet werden. F.G.