Bei der Auseinandersetzung um den einstigen ostdeutschen Benzinmonopolisten Minol wird mit harten Bandagen gekämpft

Von Dietmar H. Lamparter

So macht das alles keinen Spaß mehr“, schimpft der Mann in Lila. Dabei hätte Helge Peter Haehling auf den ersten Blick allen Grund, fröhlich zu sein. Als Leiter der neuen Minol-Tankstelle an der Storkower Straße/Ecke Leninallee in Ostberlin kann er Umsätze verbuchen, von denen seine westdeutschen Kollegen bei Aral, BP oder Shell nur träumen können: Bis zu vier Millionen Mark setzen Haehling und seine 23 Mitarbeiter in Spitzenmonaten mit ihren nagelneuen Zapfanlagen, der Waschstraße und dem großzügigen Tankstellenshop um.

Moderne Technik und das neue, poppigviolette Design erklären den Boom an der Ostberliner Vorzeigestation von Minol freilich nur zum Teil. Der Autoboom hat den Spritabsatz explodieren lassen, das weitmaschige Tankstellennetz der ehemaligen DDR wuchs dagegen nur langsam. Die Folge: Die rund 1300 Tankstellen zwischen Rostock und Suhl, obwohl in der Mehrzahl noch auf dem technischen Stand der fünfziger Jahre und abseits der Hauptverkehrsrouten gelegen, verkaufen im Durchschnitt drei- bis viermal soviel Benzin wie die rund 18 000 Stationen zwischen Kiel und Garmisch im Westen.

Daß Haehling nicht zufrieden ist, hat andere Gründe. Sein Arbeitgeber, die aus dem ehemaligen DDR-Mineralölmonopolisten VEB Kombinat Minol hervorgegangene Minol AG, scheint derzeit wie gelähmt: Entscheidungen werden nicht mehr getroffen.

Die Minol-Bosse haben Haehling zwar für die im März eröffnete Station die allerfeinste westliche Technik spendiert und diese in ein Outfit verpackt, das den Vergleich mit den Westmarken nicht zu scheuen braucht – doch den damals avisierten Pachtvertrag hat der 47jährige Tankstellenchef immer noch nicht in der Tasche. Das hat fatale Konsequenzen. „Ich kann meinen guten Leuten nicht mehr bezahlen als denjenigen, die ich eigentlich entlassen müßte, weil sie ihre Aufgabe nachweisbar nicht erfüllen“, klagt der Berliner, „alle bekommen das gleiche.“ Darunter, fürchtet der Minoler, könnte der Service leiden, und was das bedeute, wenn erst mal auf der anderen Straßenseite eine BP- und eine Shell-Station aufmachten, könne sich jeder ausrechnen.

Die Befürchtung ist begründet. Der Kampf um die Verteilung des lukrativen Mineralölmarktes in Deutschlands Osten strebt derzeit seinem Höhepunkt zu: Am 19. Dezember, so hat die Treuhandanstalt nach langem Zögern verlauten lassen, soll endlich „eine Vorentscheidung“ über die Privatisierung der Minol getroffen werden. Dann wollen die Treuhand-Gewaltigen verkünden, wer sich den Exmonopolisten einverleiben darf, der immer noch fast achtzig Prozent Marktanteil in den neuen Bundesländern hält.