Kanu bezeichnet gemeinhin ein wendiges Wassermobil. In Kenia ist Kanu eine Chiffre für Unbeweglichkeit. Hinter ihr verbirgt sich die Kenya African National Union, die Einheitspartei des Landes. Allein und allmächtig regiert sie seit 1982; die Opposition wurde allerdings schon 1969 geknebelt. Ungefähr seit dieser Zeit flossen aus Deutschland gut 2,5 Milliarden Mark Entwicklungshilfe ins kapitalistische Musterländle Kenia. Daß es die dortigen Mächtigen mit den Menschenrechten so genau nicht nahmen, störte die hiesigen Geber kaum.

Die kritischen Geister waren indes nicht totzukriegen, und weil sie in jüngster Zeit allzu brutal niedergehalten wurden, legte der Westen seine Spenden auf Eis. Auch das hat offenbar Bewegung in die Kanu gebracht: Vorigen Dienstag stimmten die Delegierten der Einheitspartei im gewohnten Ritus fast einstimmig für die Einführung des Mehrparteiensystems. Bald darf – um im Bild zu bleiben – auch der oppositionelle Ford (Kürzel für das „Forum zur Restitution der Demokratie“) wieder legal laufen.

In Togo hingegen versuchen die alten Mächte, das Rad der Geschichte in die Gegenrichtung zu drehen. Erst kürzlich war der starrsinnige General Eyadema entmachtet und als Grußaugust auf den Präsidentensessel umgesetzt worden. Aber kaum schickte sich der Übergangspremier Koffigoh an, das Gerede von der Demokratie in die Tat umzusetzen, da wollten ihn die Putschisten schon wieder verjagen.

Just am selben Tag, als im ostafrikanischen Nairobi über den neuen Pluralismus abgestimmt wurde, traten im westafrikanischen Lomé die Militärs sein schwaches Licht gerade aus. Sie stürmten den Präsidentenpalast. Die Lage ist verworren. Fest steht jedoch: Der „Wind des Wandels“ fegt durch Afrika. Aber er schrak heftig, ill