Was ist ein Tropenurlaub ohne (Meeres-)Früchte wert, was sind Clubferien ohne lukullische Genüsse prall gefüllter Büffets?

„Um Gottes willen, nehmen Sie keinen Eistee.“ Etwas verstört zog ich meine Hand von dem erfrischenden Getränk zurück und musterte ziemlich irritiert mein Gegenüber. Wir saßen im Restaurant einer Clubanlage auf einer Insel im Indischen Ozean. „Sie sind wohl gerade erst angekommen?“ fragte er mich. Ich konnte nur nicken, weil ich gerade an einem Salatblatt kaute. Der Mann erbleichte trotz seiner leichten Sonnenbräune, faßte sich kurz auf den Magen und stöhnte mitleidig: „Jetzt dürfte es bereits zu spät sein. Sie hätten keinen Salat essen dürfen.“

Überrascht sah ich ihn an, doch ahnte ich schon, was nun folgen sollte: „Hier hat es bisher jeden erwischt. Das kommt vom fremdländischen Essen. Sehen Sie, drüben am Flußufer liegen die Gäste, denen es bereits etwas besser geht. Aber unter der Palme“ – er zeigte auf eine Liege an Liege ruhende Traube von Urlaubern –, „dort liegen sie alle, die richtig leiden.“

Ich hatte mich bereits über die dichte Menschenansammlung auf dem sehr weitläufigen Clubgelände gewundert. Ungerührt aß ich weiter von allen Köstlichkeiten, die das Buffet zu bieten hatte, allerdings nicht ohne argwöhnische Blicke von den anderen Tischen zu bemerken.

Am nächsten Morgen erkundigten sich mehrere Gäste freundlich nach meinem Wohlbefinden. Angenehm überrascht bedankte ich mich für die Nachfrage, erntete aber meist enttäuschte Blicke. Mittags erfuhr ich, daß ein Ehepaar aus Aachen seit drei Tagen das Bett hüten mußte; eine Nachricht, welche die Gemüter ein wenig beruhigte.

Trotzdem: Die Patienten der Rehaklinik – so wurde das Flußufer im Clubjargon genannt – ließen mich links liegen. Ich konnte nicht mitreden. Und an allen Strandabschnitten, die sich weiter als einen Steinwurf von bestimmten Örtlichkeiten befanden, hatte ich meine Ruhe.

Der Neid der Miturlauber wuchs. Nicht mehr ganz so freundlich erkundigten sie sich an jedem Morgen nach meinem Befinden. Bald erfuhr ich am eigenen Leib, was kollektive Abneigung bedeuten kann.